Feldzug vorn Jahr 1654. izz
„In diesem Stande verblieb nun die Sache eine ziemliche Zeit, weil die Feinde„große Hindernisse gegen sich sandelt, sowohl wegen der tapfern Vertheidigung der Be-satzung , als auch wegen der Nahe der Armee des Königs, die beständig in ihrem ersten„Lager nahe bey ihnen verblieb. Weil man von Tag zu Tage den Fortgang der Be-lagerung sah, so dachte man auf nichts, als die Convois zu verhindern, ohne die Ver-„schanzungen eher angreifen zu wollen, als wenn die Bedrängniß der Belagerten es er-„fodern würde. Die spanische Armee schmolz, wie man wußte, sehr, ihre Verschan-„zungen aber fanden sich beynahe in dem möglichst vollkommnen Stande." Täglich Memoiresgiengen Detaschements von ihnen aus, um von Cambray, Douay und den andern be-"°"nachbarten Plätzen Munition und Lebensmittel zu bringen. Eben so fleißig schickte dieArmee des Königs ihnen entgegen, nie aber mit Glück. Die französischen Comman-dos waren selten schwächer als tausend bis zwölf hundert Pferde unter dem Befehl eitlesGenerallieutcnants; die von la Ferte' postirten sich zwischen Lens und dem Feinde, dievom Marfchall Türenne gegen Bapaumes, beyde in einem Thale oder andern Gegen-den, wo man nicht leicht gesehen werden konnte. Man stellte kleine Posten und Ve-detten nach allen Gegenden aus, aber beständig vergebens. Einen Convoi verloren in-deß die Feinde durch den Zufall. Der Marfchall Türenne visitirte des Nachts dieFeldwachen'mit dem Herzog von Pork, als sie auf einmal eitle schnelle heftige Flammeauffahren sahen, wie von entzündetem Pulver. Es schien, als wäre es im QuartierDes Marschall la Ferte', und Türenne eilte hin, als die Schildwachen von der HöheMouchi le Preup, die das Nämliche gesehn hatten, ihn versicherten, daß es weiter vor-wärts, und in der Gegend von Lens gewesen seyn müßte. Den Morgen darauf er-fuhr man, daß ein Regiment Cavallerie von hundert und zwanzig Pferden, davonOfficiers sowohl als Reuter jeder einen Sack Pulver hinter sich aufgehabt hätten, undachtzig Pferde mit Grenaden, die von Bauern geführt wurden, fast alle verbrannt wä-ren, ohne daß man noch die Ursache erfahren können. Es war ein trauriger Anblick, diesearmen Unglücklichen zu sehn, wie die französischen Partheyen sie mit einigen am wenigstenbeschädigten Pferden und den Pauken des Regiments einbrachten. Ein Lieutenant vonder Cavallerie, den der Herzog von Uork einige Jahre nachher in Flandern kennen lern-te, erzählte ihm, wie es zugegangen wäre. Dieser Officier hatte die Arriergarde, undsah einen Reuter, der Tabak rauchte, dem er zwar ganz behutsam die Pfeife aus demMunde zog ^ darauf aber einige Fuchteln, gab. Der Reuter war besoffen, und griff zurPistole gegen den Officier und drückte sie ab; worauf der Officier zwar vom Pferdesprang und sich selbst rettete, der Schuß aber traf den Pulversack auf dem Pferde, und
U zündete