246 Feldzug von: Jahr 1658.
hundert Mann darin zurück, jedoch mit dem Befehl, sich zu ergeben, wenn die Armeedes Königs die Iser passirte, und mit Ernst die Belagerung unternähme. Es standzwar zu der Zeit die Armee der Feinde noch immer zu Nieuport und Dyxmuyden, hattesich aber durch ein Detaschement geschwächt, das sie in Apern eingeworfen, und fandüberdem bey der allgemeinen Bestürzung der Truppen nicht für gut, irgendswo Standzu halten, wie eng und Vortheilhaft das Terrain auch seyn mochte.
Die Armee des Königs warf eine Brücke über die Iser unweit von der Stadt,und einige Truppen waren bereits übergegangen, als der Graf von Moret von Seitendes Cardinals ankam, und dem Marfchall die Nachricht brachte, daß die Krankheit desKönigs auf dem äußersten stünde, und die Armee nichts daher unternehmen sollte, bisneue Nachrichten gekommen wären. Vielleicht wäre man sogar wieder zurück über dieIser gegangen, wenn die Stadt nicht von selbst zu eben der Zeit sich ergeben hätte. DieBürger aber baten um Capitulation, und Türenne erlaubte der Besatzung den Rückzugzu ihrer Armee.
Einige Compagnien von den Garden und Schweizern wurden unter dem Grafenvon Soissons, so wieder Cardinal begehrt, nach dem Quartiere des Königs geschickt,und man war äußerst um sein Leben bekümmert. Die Armee aber war in treuer Gesin-nung, und entschlossen, bey ihrer Pflicht zu beharren, wenn das Unglück sich zutra-gen sollte. Der König bezeugte in seiner ganzen Krankheit die größte Liebe gegen denCardinal; dieser aber war ein bis zwey Tage lang sehr verlegen über die Gesinnungendes Bruders vom König, und stellte ihm daher mit reifem Bedachte vor, daß manallerdings wüßte, wie viele vom Hofe wegen der Krankheit des Königs Cabalen beyihm zu entspinnen suchten; er sollte aber ruhig und gewiß seyn, daß, wenn das gefurch-tere Unglück sich zutrüge, er und das ganze Reich sich ihm unterwerfen würden. DerCardinal, gegen den sonst fast alles schrie, wie gegen die, so das Ruder führen, ge-wöhnlich ist, fand bey dieser Gelegenheit viele Freunde. Zwey Tage lang war derKönig fast ohne Hoffnung, und redete in seinen Paroxysmen sehr oft von der Armee.Ein emetischer Wein brachte ihn zu sich selbst, und nach einem starken Kampfe der Na-tur gewann er wieder Kraft, so daß die größte Furcht nur zwey Tage gedauert hatte,und sodann gleich die Freudensbezeugungen anfiengen, und überall Couriers ausgefandtwurden, um seine Genesung bekannt zu machen.
Türenne wich indeß nicht von der Armee bey Dyrmuydsn, und empfieng täglichNachrichten von der Krankheit des Königs, so die Armee auf acht bis neun Tage un-thätig erhielt. Doch rückte der Marquis von Creqny auf des Marschallö Befehl mit
einem