280 Feldzug vom Jahr 1672.
Dies war die letzte That von den Feinden, und nach ihr wurde die Flucht allgemein undalle Posten verlassen.
Nach ihrer Niederlage gebot der König, die Brücke zu schlagen, die in wenigStunden fertig war, weil man Schiffe von neuer Erfindung hatte, die auf Wagen ge-laden wurden, und in der Folge viel zur Beschleunigung der Unternehmungen beytru-gen. Doch waren alle Truppen vom Hause des Königs schwimmend übergegangen,und die einzigen Officiers von den Chevauxlegers bedienten sich eines Schiffes. DerKönig sagte ihnen zwar nichts, lobte aber zum stillschweigenden Vorwurf mit größtenGnadenbezeugungen den Prinzen von Soubise, der an der Tete der Gens d'armes über-geschwommen war. Alle diese Truppen gierigen Escadronsweise über, und es war schön,sie bey ihrer Pracht in diesem breiten und reißenden Strome in Schlachtordnung schwim-men zu sehn. Die Gefahr indeß war minder als vorher, da Mann für Mann über-gieng, weil die Front der Glieder die Gewalt des Wassers brach, so daß die unten:kaum merken konnten, daß sie Grund verloren, und die Pferde so gut sich schloffen undeins dem andern Muth gab, daß man fast in eben so guter Ordnung als auf festemLande marschirte.
Der König, als er jenseits gekommen war, bezeugte dem Prinzen von Conde'das wahrste Mitleid über seine Wunde und den Verlust des Herzogs von Longueville,seines Neveu. Er bewies dem Prinzen von Marfillac und dem Herzog von Coaslin,die gleichfalls verwundet waren, vielfache Gnade, gab dem Major von Langallerie dasRegiment des Herzogs von Longueville, dem Prinzen von Marfillac die Stelle desMarquis von Guitry, und bezeugte dem Grafen von Guiche' große Zufriedenheit überden geleisteten Dienst.
Conde' war eine Zeitlang außer Stande, zu commandiren, weil seine Wundezwar nicht gefährlich, aber eben die Hand getroffen war, wo er das Chiragra zu habenpflegte, und man glaubt, daß dies die Ursache gewesen, warum der erste Entwurf ge-gen Amsterdam nicht ausgeführt worden. Dennoch war die Bestürzung in allen Lan-den der Republik ganz über alle Beschreibung; und obgleich der Prinz von Oranienmit dem Feldmarschall Würz Anfangs den Entschluß gefaßt, mit allem, was er zusam-menziehen konnte, den französischen Truppen, die bereits übergegangen waren, entgegen-zugehn, und sie mit einem entschloßnen Angriff wieder rückwärts zu treiben, sowar doch, ehe der Entschluß ausgeführt werden konnte, bereits der ganze Bethaumit so viel Truppen überschwemmt, daß der Prinz andre Maasregeln zu treffen gezwun-gen