Feldzug von: Jahr 1672. 28z
von der Seite vom Morgen und Abend. Die Schanze, die aus einem mit halben Ba-stionen fortificirten Viereck bestand, ward vom Prinz Moriz von Oranien im Jahr 1590selbst gegen die Stadt Nimwegen erbaut, um diese unter Gehorsam zu bringen, undwar in ziemlichem Stande, auch hinlänglich besetzt, so daß der Commandant Verschoneund die Officiers in dem Kriegsrath beschlossen, als Männer sich zu vertheidigen, und,wenn sie das Unglück, formt zu werden, erlebten, mit der Lunte in der Hand nach demPulverthurme sich zu begeben, um eine anständige Capitulation dadurch zu erhalten.Die Franzosen, die mit Sturme die Schanze zu erobern gesucht hatten, weil der Gra-ben nur drey Fuß Wasser hielt, wurden gezwungen, sich einzugraben, und förmlich dieAttaque zu formiren, die jedoch durch die Häuser des Dorfes Lens begünstigt ward, dasdie Besitzung der Schanze verbrannt, aber nicht geschleift hatte. Während dessen aberschlug für sich und ohne Befehl ein Tambour von der Besatzung Chamade, worauf al-les in der Schanze im Tumult auf den Wall lief, die Soldaten sämmtlich-Quartierbegehrten, und die Officiers nicht mehr vermochten, die Sache zu steuern, so daß siegezwungen wurden, eine Capitulation zu schließen, die jedoch der Marfchall Türenneanständig gab.
Noch an selbigem Tage rückte der Marfchall mit einem Corps vor die Schenken-schanze, und der Graf von Lorges wurde tiefer in die Vethau detafchirt, und der Mar-quis von Rochcfort in die Velau, um beydes am Rhein und der Waal die dortigenPlätze zu erobern. Die Schenkenschanz, so von ihrem Erbauer, dem Obersten Schenk,den Namen führt, ward von jeher für einen Schlüssel von Holland gehalten, weil sieam Ende der Bethau in deM Winkel gelegen, wo der Rhein in zwey Arme sich theilt,davon der eine bey Nimwegen vorbey, und der andre nach dem Zollhause und Arnheimhinläuft, und beyde mit ihrer Schifffahrt von demselben dominkrt werden. Als sie einstaus Nachläßigkeit der Besatzung übergieng, hatte Friedrich Heinrich von Oranien achtMonate mit ihrer Belagerung verbracht, und sie war anjetzt mehr als alle Schanzenvon Holland in gutem Stande, und mit Magazinen und einer Besatzung von dreyzehnhundert Mann versehen, die zur hartnäckigsten Vertheidigung hinlänglich schien. Weilnun die Schanze zwischen dem Rhein und der Waal gelegen, und man derselben nurüber einen einzigen Damm von der Seite der Velau beykommen konnte, so hatte derFeld-marfchall Würz diesen Damm dicht vor der Schanze durchstechen lassen, und mit einerBatterie befestigt, die aber der Commandant kurz vor der Belagerung unter dem Vor-wand der zu schwachen Besatzung wiederum schleifte, und zugleich zwey in der Waalgelegne gutbesetzte Wachschiffe, so die trefflichsten Dienste hätten leisten können, wieder auf-
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