Feldzug vom Jahr 1672. 509
loten October des Nachts eine große Kanonade hörte. Man glaubte Anfangs, daßdie Schlösser Landerstein und Niverode an der Vecht attaquirt würden, und der Her-zog voll Luxemburg begab sich in gleichen Gedanken nach dieser Gegend hin; als er aberbald darauf erkannt, daß das Feuer weiter zur Linken und ferner ab sey, gieng er ohneweitem Verzug eiligst nach Utrecht, und schickte, weil er sich allerdings Geschaffte ver-muthete, Befehl an den Marquis von Genlies, vom Posten zu Gravesand unverzüg-lich zehn Escadrons nach Utrecht zu detaschiren, und durch sie die Truppen, die er vollder Besatzung brauchte, zu ersetzen. Es hatte der Prinz von Gramen bereits am zostenSeptember Woerden, um in seiner Unternehmung sicher zu gehn, durch ein starkesCorps des Nachts recognoscire» lassen, und den Graben und die Festungswerke unter-sucht; und weil der Herzog voll Luxemburg, ohngeachtet des großeil Feuers von derBesatzung, dennoch von der Attaque nichts gehört, so hatte derselbe mit dem Gouver-neur von Woerden, Grafen von der Mark, Obersten von Picardie, verabredet,auf dem höchsten Thurme von Woerden im Fall des Allgriffs ein Fanal anzuzünden.
Als man nun dieses zu Utrecht gesehn hatte, schickte sofort der Herzog von Luxemburgan den Marquis von Genlies den zweyten Befehl, mit dem ganzen Corps von Grave-land aufzubrechen, und den größten Theil der Cavallerie in Utrecht zur Besatzung desPlatzes zurückzulassen, für seine eigne Person aber dem Herzog von Luxemburg mit demzweyten Bataillon von Navarre, PLedmont und Auvergne, und einiger Cavallerie nachHermelen, einem Dorfe auf dem Wege von Woerden nach Utrecht, zu folgen; derHerzog selbst aber brach auf mit den fünf Bataillons Navarra, Piedmont, Norman-die, la Marine, Picardie, den Schweizern von Stouppa, fünfzig Dragonern, undallem, was er von den Regimentern Desfournequx, Dauger, Carcado und Gour-nay Cavallerie, so auf Fourage ausgegangen, sammeln können, und gieng nachHermelen.
Indeß hatte der Prinz von Gramen in der Nacht vom roten zum uten October Merlan,die Generale Svilenstein, Horn und Lybergen detaschirt, um in der Gegend von Gro-venbrügge, und von allen Seiten, wo die Besatzung von Woerden Hülfe erwartenkonnte, dieselbe abzuschneiden. Der General Horn faßte Posto bey Polanen und denSägemühlen, woselbst eine Batterie von zwölf Stücken gegen die Stadt aufgeführtwurde. Lybergen gieng von dem Hornischen Corps ab, um den Paß von Montfortzu bewahren und den Rücken zu decken, und Svilenstein stand zu Grovenbrügge, derPrinz von Gramen aber nahte sich mit dem letzten Corps von der Seite vonBodegrave.
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