Buch 
Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
Entstehung
Seite
422
JPEG-Download
 

422

Feldzug von: Jahr 1674.

eine starke Besatzung behielt, die Operationen des Kriegs im folgenden Feldznge dadurchschwer wurden, so hatte der Marschall Türenne schon von Enstsheim aus über Drey-fach jenseits des Rheins der Stadt, wenn sie neutral bliebe, Sicherheit und Ruhe ver-sprochen. Diese hatte auch daher den Alliirteu so nachdrückliche Vorstellungen wegen desRückzugs gethan, und, einige Kreisvblker ausgenommen, Garnison einzunehmen sichgeweigert, so daß gleich nach dem Uebergange ihre Deputirten zu dem Marschall kamen,und ihm berichteten, daß die Deutschen vom roten zum i4ten völlig übergegangen, ih-re Stadt aber um die Erneuerung der Neutralität ansuchen ließe, die ihnen auch derMarschall unter der Bedingung, daß sie den Deutschen den Uebergang über die Brückeversagten, bewilligte.

So standen nun die Deutschen jenseits des Rheins, ohne Hoffnung von Rück-kehr auf diesen Winter; und sie, wie die Armee, die gesiegt hatte, sahen den AusgangRamsay. des Feldzugs mit Erstaunen. Der König aber, als er davon die Nachricht erhalten,ließ in Gegenwart seines Hofs den Brief des Marschalls an den Minister le Tellier vomZOsten October aus dem Lager zu Dcttweiler verlesen, in welchem der Marschall demFcuquiercs. König, was er iht ausgeführt, im Voraus gelobte. Das Gefecht von Türkheim ent-schied, so wenig blutig es auch war, und ist der treffendste Beweis, wie groß und wich-tig die Vortheile eines Gefechts seyn können, wenn man es so zur rechten Zeit liefert,obgleich der Verlust, den der Feind leidet, keine Betrachtung verdient. Der Ruhmvom Erfolg eines Unternehmens allein ist öfters zureichend, um einem Feldherrn Über-legenheit über seinen Feind zu verschaffen, wenn dieser auch gleich mächtiger ist. Eskonnte nach diesem langen Feldznge jeder andre Feldherr, als Türenne, mit den Vor-theilen , die er bisher gehabt, sich begnügen; und der Ruhm, den ganzen Feldzug durchgegen einen beständig überlegnen Feind bald das Gleichgewicht, bald Ucbergewicht er-halten zu haben, blieb immer ihm. Aber für jenen so großen Mann war das nichtRuhmes genug; denn er sah auf den folgenden Feldzug den Verlust vom Elsaß voraus,und daß er, nachdem er ihn einmal verlassen, nicht wieder eindringen konnte, wenn erden Frühling erwartete, weil die Feinde sich alsdann am Fuße der Gebirge versammeln,und ihm die Formirung am Ausgange der Defilees unmöglich machen würden. Eswar also unumgänglich, in der Zeit, die sonst zur Ruhe bestimmt ist, zu unternehmen,und wahrend des Winters den Feind aus seinen Quartieren zu vertreiben. Er über-dachte, beschloß, und setzte sich in Stand, was er so weise gedacht, ausführen zu kön-nen. Er erwartete mit Geduld, daß die Zeit der Ausführung kam, und führte dannmit Adlers Flug einen Entwurf aus, der so langsam durchgedacht, mit so kaltem Blut

und