46s Feldzug vom Jahr 1674.
einzige Schildwache war, und die Wache selbst in den Wirthshäusern sich zerstreute.Es wurde unter Rabenhaupts Siegel und Hand an den Gouverneur (den man abwe-send wußte,) eine Depesche gefertigt, daß man hier ein Bataillon und Escadron hollän-discher Truppen ihm zuschickte, weil es nicht zuträglich wäre, daß der Platz länger sowehrlos bliebe. Das französische Detaschement war mit holländischen Uniforms undScherfen versehen, und einige Officiere und Bootsleute, die ein gut holländisch Anse-hen hatten, führten die Tete. Die Nacht vom i5ten war bereits zum Anmarsch fest-gesetzt, als die Nachricht ankam, daß die Cavallerie von Mastricht zur Abholung derGeiseln in derselben Nacht eintreffen würde, und der Gouverneur sah sich genöthigt, denEntwurf aufzugeben, weil, wenn die Sache mit den Geiseln gelang, die Belage-rer alsdann ganz sicher die Seite von Herzogenbusch mit einem großen Corps sperrten,und folglich den Truppen, die dahin detaschirt würden, bey mißlungnem Unternehmenkein Rückzug blieb. Die Bootsleute und der Officier wurden durch einen vertrautenMann abgerufen, der alles in dem vorigen Stande sah, und jene glücklich nach Graveüberbrachte. Der General Rabenhaupt, nachdem die Geiseln entkommen waren, ließmit größtem Fleiß an der Circumvallation auf der Seite von Herzogenbusch arbeiten,längst des dortigen Dammes eine Linke auswerfen, und vorwärts derselben eine großeParallele ziehen, wie der Plan zeigt.
Indeß ließ der Herr von Chamilly im bedeckten Wege auf beyden Attaquen einezweyte Pallisade auf fünf Fuß von der Brustwehr setzen, und diese von fünfzig zu fünf-zig Schritten mit Barrieren versehen, und durch Traversen von andern Pallisaden mitdenen an der Brustwehr verbinden. Die Wache vom bedeckten Wege hatte Befehl,nicht eher nach der zweyten Pallisade sich zurückzuziehen, als wenn die Belagerer durchentschiedne Ueberlegenheit und ihre Grenaden sie dazu zwängen; jeder Soldat im be-deckten Wege war mit Pike und Musquete zugleich bewaffnet. Die Vortheile dieserdoppelten Pallisade waren groß, weil die Belagerer nun außer Stand waren, mit ein-mal den bedeckten Weg zu sperren und die Besatzung zu forciren. Es hieng von denOfficieren, die an den Barrieren der zweyten Pallisade standen, ab, wie lange sie denZwischenraum zwischen beyden Pallisaden behaupten wollten; wenn sie ihn verließen,konnten die Belagerer wegen der Queerpallisaden sich nicht ausbreiten, und wurden indem Zwischenraume mit Piken und Degen niedergestoßen; die Grenaden, die fastsämmtlich in den Zwischenraum fielen, wurden weniger schädlich; man brauchte derTruppen zur Vertheidigung weit weniger als sonst; die Truppen hielten sich für stärkerund hatten eine beständig sichre Retraite.
Die