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Feldzug vom Jahr 1674.
verflogenen Kugeln den größten Schaden anrichteten, verlassen, und an denen, dieman am sichersten hielt, Hütten gebaut, und, was man nicht ändern konnte, der Vor-sicht überlassen. Der Gouverneur unterließ nicht, bey jedem Unglücksfalle den Solda-ten Muth einzusprechen, nennte, die sich hervorthaten, beym Namen, und schonteweder Geld noch Worte. Wenn Mutlosigkeit einzureißen drohte, suchte er durch einUnternehmen, dessen Ausgang gewiß schien, die Besatzung aufzuleben, und sah um sofreudiger aus. Er ließ sich zum Scherz der Soldaten herab, schickte ihnen Musik nachden Attaquen, ließ einstens des Nachts die feindlichen Laufgraben durch ein Pferd, demsie Lunten angehängt hatten, die ganze Nacht durch allarmiren, u. s. w. Er trug fürdie Verwundeten väterliche Sorge, gab der Besatzung doppelte Portion Brodt, und ließ,so lange es möglich war, keine Art von Lebensmitteln fehlen; und als in der Mitte derBelagerung das Fleisch zu mangeln anfieng, aß er auf seiner eignen Tafel verschiedneTage zuvor Pferdefleisch. Mit allem diesem hatte er das Herz der Besatzung gewonnen,daß, obgleich allerdings mehr als einmal der Wunsch nach Uebergabe einriß, dennochder Muth stets von neuem auflebte; und in den letzten Tagen, als weder Officier nochSoldat die Fatiguen weiter zu ertragen vermochte, ergab sich dennoch die Besatzung wil-lig von neuem zum Dienste, wenn der Prinz von Oranien die Capitulation nicht so,wie man verlangte, zugestünde. Der König ernannte den Marquis von Cha-milly zum Marechal de Camp und Gouverneur von Oudenarde mit einer Pension von2OOO. Pfund; den Herrn von Betou zum Lieutenant des Königs in CHarleroy, denHerrn von St. Just zu Philippeville, und viele andere Officiere wurden gleichfalls mithöhern Stellen, Pensionen oder Geschenken begnadigt; von den Gemeinen aber findetman nicht, daß der König gegen sie ,sich dankbar erwiesen hätte. So war es nicht inden Zeiten der Römer und Griechen.
Indeß nun Frankreich, wie bisher erzählt ward, die Franche-Comte' erobert,und beydes in Deutschland und Niederland, das einzige Grave ausgenommen, allesbehauptet hatte, so ward noch auf den andern Seiten der Roussillon, die Seeküsten vonFrankreich selbst, und seine Besitzungen in America bedroht.
Der Roussillon, obgleich die Pyrenäen ihn von Catalonien trennen, war den-noch den Spaniern äußerst gefährlich für diese Provinz, weil das Schloß Bellegarde,auf dem Gipfel der Gebirge, in den Handen der Franzosen stand, und einen sichernEingang in Catalonien ihnen gewährte. Le Bret commandirte die französischen Trup-pen bis zur Ankunft des Herzogs von Schomberg, und der Herzog von St. Germaindie Spanier; die letztem Generale hatten bereits beyde gegen einander in Portugall ge-dient.