Sparkasse. 381
Begierden muß sich der Mensch immer gefallen lassen,so lange er lebt; sie sind ihm von der Natur gezeich-net, und werden ihm oft auch von denen gesetzt, vonwelchen er nie glaubt abzuhängen. Wohl dem Manne,der früh die Kunst lernte, seinen Wünschen und Be-gierden freiwillig die Grenzen zu setzen, ohne in denZustand der Willenlosigkeit zu versinken. Die natür-lichste Abhängigkeit ist die der Kinder von ihren El-tern. Diese haben das unbezweifelte Recht zu fordern,daß ihre Wohlthaten ihrer Absicht gemäß, welche nachden Wünschen einer wahren Liebe nur gerecht und gutseyn kann, angewandt, und daß sie von dieser Anwen-dung versichert werden.
Selbst der erwachsene Sohn, den derVater auf derUniversität erhält, darf sich nicht beschweren, wenn derVater von ihm verlangte, daß er genaue Rechnungvon der Anwendung des Geldes ablegen solle, welchesihm jener zu wichtigen Zwecken und in der Hoffnung,daß sie erreicht werden, mit Freuden, obgleich untermancherlei Beschwerden, und nicht ohne Einschrän-kung eigener Bequemlichkeit und Versagung mancherAnnehmlichkeiten, verschafft. Niemand würde, wenner nach Gründen unparteiisch urtheilen sollte, jeneForderung ungerecht finden, der vernünftige Sohn sichgern derselben zu seiner eigenen Beruhigung unterwer-fen, und nur derjenige sie hart finden, welcher voraus-sähe, daß er mit Schande bestehen würde, oder seinebesonderen Begriffe von Freiheit, welche doch immervon dem Geldbeutel seines Vaters abhängt, mit jenerForderung nicht vereinigen könne. Man würde selbstdiese gerechte Forderung als zweckmäßig allgemeinerempfehlen können, wenn nicht die Abwesenheit derVä-ter sie hinderte, sich von der Wahrheit und Zuverläs-sigkeit der abgelegten Rechnungen zu überführen, undwenn nicht zu besorgen wäre, daß derdemLuxuS schonergebene Jüngling zu der Unwahrheit seine Zuflucht