Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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498 Spaßmacher.

in den spätern Zeiten, unterrichteten sich die Regentenselbst von dem Zustande ihrer Unterthanen, indem sieverkleidet mit Einigen ihrer Vertrauten ihr Land durch-reiseten, und in den Städten diejenigen Oerter besuch-ten, wo sich das Volk zahlreich einzusinken pflegte, undseine Meinungen über manche Gebrechen des Staates,unverholen äußerte. Späterhin hielten sie sich lustigeRäthe, Hofnarren, die sie unter Scherzen mit den Ge-brechen des Landes bekannt machten, und deren sichauch wieder die Fürsten bedienten, um die Hofleute vonihren Thorheiten zu heilen, ohne genöthiget zu seyn,ihnen darüber Verweise persönlich zu geben; man hatdaher theils durch Tradition, theils in Schriften Hof-narrenscherze aufbehalten, die man goldene Sit-tensprüche nennen könnte. Auch die Prediger be-dienten sich damals der Kanzel, um von derselben herabden Großen bittere Wahrheiten zu sagen. In derneuern oder jüngern und jüngsten Zeit, bei der steigen-den Kultur that und thut man es durch Schriften;durch Zeitungen, Journale, Flugblätter rc. :c. Wasdie lustigen Räthe vermochten, beweise hier ein Fall.

König Friedrich der Erste von Preußen hatteeinen lustigen Rath (wahrscheinlich der zu seinerzeitso bekannte Putzmann) der ihm ungescheut solcheWahrheiten sagen konnte, die einem Andern, der siehatte äußern wollen, die größte Ungnade und viel-leicht den Verlust der Freiheit zugezogen haben würde.Zu seiner Zeit geschah es, daß ein angesehener Mi-nister viele Güter für sich ankaufte. Bei dem einender Güter lag eine Mühle, die der Minister gernhaben, aber der zeitige Besitzer nicht verkaufen wollte,weil sie ihm ein reichliches Auskommen gewahrte.Da sich nun der Müller durch Antrage und Ueber-redungen nicht bewegen lassen wollte, den Verkaufeinzugehen, so brauchte der Minister Gewalt undzwang den Müller für ein geringes Kaufgeld ihmdie Mühle zu überlassen, und ließ ihn darauf ausderen Besitz werfen. Der auf eine so ungerechte