Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
Seite
592
JPEG-Download
 

592 Spaziergang.

Charlottenburg.— In Wien sind die schönsten Spa-ziergänge im Prater, im Augarten, der Bri-gittenau, und dann auf den Wällen oder Ba-steien, wo die Löwel- und Rosenthurmbastei am mei-sten besucht werden; dann istdie Glaciö, ein freier, mitBäumen bepflanzter, 600 Schritte breiter Rasenplatzzwischen der Stadt und den Vorstädten, besonders inder Nähe des Caroliner Thores sehr beliebt, wo Kaf-feehäuser, Mineralwasser rc. vorhanden sind. Mangenießt hier einer schönen Aussicht. Der Erstere, derPrater, ein Thiergarten, auf einer großen Insel derDonau, in dem viele zahme, jagdbare Hirsche und an-deres Wild gehegt wird, welches beim Lustwandelnangenehm überrascht. Zu beiden Seiten des Praterssind breite, mit doppelten Kastanienbäumen besetzteGänge oder Promenaden, die Schatten und Kühlung,nicht allein durch das überhängende Laub, sondernauch durch die in der Nähe fließende Donau gewähren.Am Ende des Praters steht die Gloriette, ein sehr an-genehm liegendes Sommerhaus. Ueberhaupt genießtder Spaziergänger von mehreren Promenaden desPraters aus der schönsten Aussicht. Unter der Re-gierung Leopolds des Zweiten überreichte der ge-schickte Gartenkünstler Herr Petri*) dem genann-ten Monarchen einen Plan zu einem Nationalgartenin einem dazu schicklichen Bezirke bei Wien anzulegen,der Alles vereinigen sollte, waö die Spaziergängernicht nur für die schöne Natur empfänglich machen,sondern auch den Patriotismus beleben sollte. DerMonarch nahm den Entwurf mit Zufriedenheit aufund übergab ihn der Behörde zur Prüfung. Alleinder Plan kam nicht zur Ausführung, weil der Kriegmit den Franzosen diesem Unternehmen nicht günstig

*) Taschenbuch für Gartenfreunde, von W- G. Be cker. Leipzig,1798, S. 18Z u. f.