Ueberblick. 199
Ueberblick, Augenmaaß, das durch die Erfahrungsich allgeeignete oder erworbene Augenmaaß der ziem-lich richtigen Abschätzung von Arbeiten, Körpcrflä-chen, Größen, Distanzen w. im Geschäftsleben oderin den Wissenschaften, Künsten und Handwerken,ohne eine nähere Untersuchung vorzunehmen, undden Maaßstab zu gebrauchen. Es ist daher auchdie Fertigkeit, aus dem scheinbaren Bilde einerSache auf dessen wahre Größe in jeder Beziehungzu schließen, und ist von dem Augenmaaßc desje-nigen, der einen Gegenstand abzeichnet, nur darinverschieden, daß es hier in der Fertigkeit besteht,dieses scheinbare Bild nachzuzeichnen, damit es demUrbilde in Allem ähnlich werde. So ist im Gc-schäftslebcn z. B. der Ueberblick einer schriftlichenArbeit, die richtige Auffassung von deren Schwie-rigkeiten, Ausdehnung oder Umfang, und der Zeit,in welcher sie vollbracht seyn kann. Diese Auffas-sung liegt im Auge und wird durch das Gefühlberichtiget. So wird ein geübter Forstmann leichtin den Waldrevieren die Größe der Schläge nachdem Augenmaaße schätzen, und ihre Abholzung inso und so viel Jahren ungefähr berechnen können,indem er dabei den dicken und dünneren Stand derBäume, die sich vorfindenden leeren Plätze w. be-rücksichtiget. — So ist ein richtiger Ueberblick,ein treffendes Augeninaaß, so nöthig in der Zeichen-kunst, Malerey, Baukunst, in den Bauhandwer-ten re., besonders aber in den zuerst erwähntenKünsten, weil man hier nicht den Maaßstab so an-legen kann, als in den Letztem, um eine Zeichnung,einen Entwurf eines historischen Gemäldes oder ei-ner Landschaft :c. in allen Theilen richtig darzu-stellen. Wir lernen zwar von Kindheit an dieEntfernung und Größe eines Gegenstandes ausdem Eindrucke schätzen, welchen ihr scheinbares Bild