Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
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Ueberhören.

Ihre Bewegungen gehen nicht mit den Worten,sind leer, bezeichnen nichts, sind unangenehm undermüden, weil sie nichts ausdrücken. Es giebtLeute, die viel Sinn und Gefühl für Musik, unddoch kein Gehör für den Selbstausdruck haben.Sie sehen sich nicht, junger Mann! Ich will da-mit sagen, daß Sie nicht wissen, wie Sie ausse-hen, wenn Sie gehen, stehen und sich bewegen.Ich besorge ebenfalls, Sie hören sich nicht; dasheißt, Ihr eigner Ton, dessen Härte oder Weich-heit, dessen Wohlklang oder Rauheit, schlägt nichtan Ihr Ohr. So ist es, sonst müßte Ihr eigenerTon, der Anklang an die Grundmelodie, welchejedes starke Gefühl hat, und ausspricht — er müßteSie gerührt, erwärmt, und mich mit Ihnen stei-gend belebt haben. — Das ist nicht geschehen,Sie sind in gleichem Maaße laut und heftig ge-blieben, und nur immer stürmischer geworden, woSie hätten inniger werden sollen. Sie, der Sieso leicht und herzlich weinen — haben nicht einenTon innerer Bewegung aus der Brust hervorgehenlassen. Wo die Rede von Rührung seyn sollte, ha-ben Sie einen zitternden, nichts sagenden, unächtenTon angenommen. Diesen falschen Ton habenSie dreist ergriffen, und mit anhaltender Lauheitbeibehalten. — Ich betrachte Sie wie ein falschbesaitetes Instrument. Sie mögen durch Jahre,Fleiß und Beobachtung einigermaßen Zusammen-hang in Ihr Wesen bringen können, aber niemalswerden Sie ein überredendes, hinreißendes Ganzesleisten, und am wenigsten ein angenehmes Ganzes,deshalb bitte ich Sie, geben Sie den Gedankenauf, Schauspieler zu werden. — So mancherDummkopf, der nur ein sicheres Gehör, ein gefäl-ligeres Geplaudcr, einen biegsameren Körpergebrauchvor Ihnen voraus hat, wird Sie niederschwatzen;