Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
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Ueberladen und Ueberladung. 407

vielmals, dann aber selten wahrgenommen, wenn derschmetternde Klang der aus vollen Leibeskräften ge-blasenen Trompeten, oder das überlaut schallende Ge-schnarr derPosaunen, und wohl noch dazu das Geras-sel der Pauken das ganze Gotteshaus mit einem be-täubenden Getöse erfüllte." — So machen in derTanzkunst alle Ueberladungen von Touren, z. B.in der Quadrille rc., einen üblen Effekt auf den Be-schauer.—Eben so wirkt auch die Ueberladung inder Vcrskunst und in Prosa auf das Gemüthdes Lesenden und Hörenden. Ein Gedicht wird schlep-pend, wenn es viele Pleonasmen und Wiederholun-gen enthält; auch an einer Ueberfüllung romantischerBei- oder Eigenschaftswörter leidet, wie rosenfar-ben, engelmild, himmlischschön rc. rc., unddiese Wörter oft wiederkehren. Eben so ist es auchmit der Prosa oder ungebundenen Rede, wenn vieseschwülstig ist. So überladet man eine Rede mit nutz-losem Wortprunk, der die Klarheit derselben verdunkelt.Der Ober-Consistorialrath Fr.Theremin sagt hier-über in seinem Werke: „Die Beredsamkeit eineTugend oder Grundlinien einer systemati-schen Rhetorik" (Berlin, 1814), S. 162 u. f.„Der Redner muß sich nie in Ausdrücken, Wendun-gen und Bildern über die Sprache des gebildeten Um-ganges erheben, selbst nicht vor einem solchen Audito-rium, welches einem höheren Schwünge folgen undexquistrten Redensarten verstehen würde. Ich mußdies wegen derjenigen erinnern, welche durch poeti-schen Schmuck, durch Worte, die sie aus dem Staubevergangener Jahrhunderte hervorsuchen, und durchKonstruktionen, die der reinen Prosa fremd sind, ihrenVortrügen eine besondere Würde und Kraft zu gebenglauben. Dieses ist aber immer nur ein kalter Punktohne Kraft, wenn Kraft nämlich, wie ich behaupte,nichts anders bedeuten kann, als die Wirksamkeit der