538 Ueberschwemmm und Überschwemmung.
so wird die Ueberschwcmmung nicht allein geringer,sondern auch von kürzerer Dauer seyn. In gebirgig-ten Ländern, besonders bei starken Schneesällen, kom-men fast jährlich in den Thälern Ueberschwemmungenvor, wie z. B. in Tyrol, in der Schweiz, in Frank-reich, Italien rc.; aber auch in Ebenen, wie z. B. inDeutschland, in der Provinz Brandenburg, in Preu-ßen rc.—Alle Länder, die von großen Strömen durch-zogen und bespült werden, besonders die niedrigen,welche nahe den Ausflüssen derselben liegen, sind ab-wechselnd gewissen Ueberschwemmungen ausgesetzt,und daher sind wohl wenige große Flüsse, die nichtihre Ueberschwemmungen gehabt haben, und sie zumTheil noch haben, wenn sie gleich durch aufgeworfeneDeiche auszuströmen verhindert werden, so kommt dochAlleS auf besondere Naturereignisse an, z. B. Wol-kenbrüche oder Regengüsse, Anstauungen des zerbroche-nen Eises im Frühjahre nach harten Wintern rc., umauch diese Schntzwehren zu überwältigen. — Manch-mal sind die Ueberschwemmungen mit besonderen Na-turerscheinungen begleitet. So liegt die Stadt Remi-remont und der Flecken Plombmres, welcher durchseine mineralischen Wasser in Frankreich berühmt ist,in einem Thale, worin das Wasser von verschiedenennahe gelegenen Bergen, womit jene Oerter gleichsamumgeben sind, herabfließt, und man kann leicht schlie-ßen, daß dieses Thal jährlich beim Schmelzen desSchnees einer Ueberschwcmmung ausgesetzt seyn müsse.Indessen war folgender Zufall, der sich am 25stendes Heumonats 1770 ereignete, besonders merkwür-dig. Es war an dem gedachten Tage zu Remiremontnach Sonnen-Untergänge ein sehr starkes Gewitter,und die Einwohner glaubten, nach dem Zertheilendesselben, außer aller Gefahr zu seyn. Allein diesesGewitter, so fürchterlich es auch gewesen, war nur dasVorspiel von folgendem traurigen Auftritte. Die Luft