Band 
Dritter Theil. [Eachard (Dr. John) - Ghisi (Giovanni Battista).]
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FiiVRE

an

Geburt in der Diöces Amiens, erblickte das Licht der Welt imJabr 1435. Er studierte zu Paris, und ward in der Folge Pro-fessor der schönen Wissenschaften und der Philosophie daselbst.Damahls herrschte noch die barbarischeste Scholastik. Le Fevrej wußte sich über die Chicane der Schule zu erheben, und war ei-ner der ersten, welche Geschmack für gründliche Studien, undbesonders für das Studium der Stammsprachen einflößten.

WilhelmBri^onnet, Bischof von Meaur, ernannte ihn1523 zu seinem Groß - Vicar; als dieser Prälat beschuldiget wor-. den wär, die Neuerer in der Religion zu begünstigen, mußt' ihnLe Fevre verlassen, um nicht daS Opfer der ungerechten Berfol-gung zu werden, die man gegen denselben erregt hatte. Er be-gab sich nach Straßburg, und von da nach Paris, wo er zumLehrer des dritten Sohnes von Franz I. (Carl, Herzog von Dr-leans, der 1545 starb) ernannt wurde. Die Königin Marga-relha, Schwester dieses Fürsten-, nahm im Jahr 1530 Le Fevremit sich nach Nerac, wo dieser geschickte Mann 1537 sein Leben' beschloß.

Man sagt, er habe am Tage seines Todes, als er bei der Kö-nigin Margaretha nebst andern Gelehrten, die sie oft zu sich ein-lud, zu Mittag speiste, über der Tafel sehr traurig geschienen,und selbst Thränen vergossen; die Königin hab' ihn um die Ur-sache seiner Traurigkeit gefragt, und er habe geantwortet, dieGröße seiner Verbrechen stürz' ihn in dieselbe. »Ich bin,«sprach er, »hundert und ein Jahr alt; hab' immer sehr keusch«gelebt; in Rücksicht der übrigen Leidenschaften, welche die«Menschen zu Unordnungen hinreißen, fühl' ich mein Gewisse»«ziemlich ruhig; aber ich halt'es für ein sehr großes Verbrechen,»daß ich die Wahrheit kannte; sie mehreren Personen lehrte,«welche sie mit ihrem eigenen Blute besiegelten, und dabei die»Schwachheit hatte, mich weit von denjenigen Orten, wo die«Marlyrertroneu ausgecheilr wurden, in Sicherheit zu be-» geben.«

Die Königin, die sehr beredt war, sprach ihm Trost zu: ermachte mündlich sein Testament, ging, sich zu Bette zn begeben,und wurde einige Stunden darauf todt in demselben gefunden.Die Königin ließ ihn mit großem Trauergepränge unter benseUbc» Marmor begraben, den sie zu ihrem eigenen Grabmahlebestimmt hatte.