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die jedesmaligen Vestimmungsgründe herausgehoben und die einwir-kenden Situationen-mit Geschicklichkeit angelegt und durchgeführtseyn. Uebrigens gibt es allerdings auch Widersprüche in sonst konse-quenten Charakteren, wenn z. B. herrschende L- idenschaften mit denGrundsätze» in Konflikt gerathen. In diesem Falle gilt zum Theil,was im vorigen, im Allgemeinen aber, daß die'e Widersprüche nurnicht gegen die menschliche Natur seyen. So ist es z. B. keines-wegs gegen die menschliche Natur, daß ein Ehrgeiziger sich biszum Niederträchtigen erniedrige, wenn er dadurch seinen Zweckzu erreichen hofft; es ist aber gegen die menschliche Natur, daßein Phlegmatiker sich als den feurigsten Liebhaber zeige, z) DieCharakterzeichnung muß leicht überschaulich seyn,damit man n cht über den Charakter unentschieden bleibe. Freilichaber ist er nicht Schuld des Dichters, wenn seine Leser den Löwennicht an der Klaue erkennen, denn von dem Dichter wird keineswegsgeködert, baß er uns eine Cbarakterzeichnung wie la Bruyere liefere,sondern seine Phantasie faßt die empfindbaren Aeußerungen und Jüaedes Charakters auf, und stellt deren so viele zusammen, als seinZweck erheischt und hinreichen, unsere Phantasie dadurch zu erregenund unser Urtheil zu bestimmen. Ein einziger leiser Zug, der Na-tur sein abgelauscht, worin sich die Eigenthümlichkeit eines Charak-ters ausdrückt, ist oft genug, zu bewirken, daß unsere Phantasie dasUebrige hinzudichte. Wenn z. B. Jean Paul von Firlein sagt:„Eben da war Egidius froh, daß die Eisblumen der Fenster auf-blühten, denn er hatte äußern Frost bei Stubenhitze gern, er konntenun P.chholz in den Ofen und MLHrenkaffee in den Magen nachle-gen , und den rechten Fuß in die warme Hüfte des Pudels schieben,und doch noch aus dem linken den Sraarmatz schaukeln, indeß er mitder rechten Hand — mit der! linken hielt er die Pfeife — so unge-stört, eingemummt, umnebelt, und ohne ein frostiges Lüftchen, dasWichtigste anfing, was ein Quintus machen kann — den Lektionska-talvg des Gymnasiums, nämlich das Achtel davon. Firlein konnt'es gar nicht satt kriegen, das zu specificiren, was er künftiges Jahr,geliebtes Gott, trakliren wollte," so sehen wir durch diesen einzi-gen Zug den ganzen mit Wenigem so leicht vergnügten, wohlwollen-den, gutmüthigen Mann vor uns, dessen Geist eben so wenig nachGroßem strebt als sein Herz verlangt, sehen seine Armuth nnd seinzufriedenes Gemüth, die Beschränktheit seines Beutels und seinerHoffnungen; alles dieß mit Einem. Wir könnten den ganzen Mannmalen, und so muß es seyn. — Züge dieser Art sind es, welche vor-nehmlich die beschreibende Poesie beleben, die es so sehr mitBeschaffenheiten und Zuständen, überhaupt dem Ruhenden, zu thunhat. Hier muß die Phantasie durch die Cbarakterzeichnung in einfortschreitendes Spiel verseht werden, worin sie zudem Gege-benen eine Mannigfaltigkeit des durch den Charakter Möglichen hin-zudichtet, da sie hingegen durch Charakterzeichnungen der drama-tischen Poesie, bei Entfaltung des Willens durch Versetzung inLagen, welche zum Handeln nöthigen, die Vernunft durch ihrSpiel veranlaßt, rückwärts bis zu den Gründen zu gehen. Man-darf hier nur an die Entwickelung von Hamlets Charakter in Mei-sters Lehrjahren erinnern. Die erzählende Poesie, die es stattder Handlungen mit Begebenheiten zu thun hat, steht in dieser Hin-sicht zwischen jeuen beiden in der Mitte. Uebrigens haben drama-tische und erzählende Poesie daS mit einander gemein, daß dort die