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fen, daß der Schauspieler schärfer charakterisiern müsse,-als wir eöüberall in der Natur finden, denn selbst, wenn er nur Individuencopirt, wird es doch schwerlich ohne Absonderung abgeben, im an-dern Falle aber, wo er mehrere Vorbilder aus der Beobachtung vie-ler Individuen abstrahln hat, aus nwlchcn er ein neues schasst,das der Persönlichkeit seiner Rolle in Ansehung ihrer Elassifica-tion und Lage am nächsten kommt, springt es in die Augen, daß dasCharakteristische starker zusammengedrängt erscheinen müsse. Daherdenn jener Umstand z. B. in Ifflands Spiel, daß fast jeder Zu-schauer in seiner Bekanntschaft ein anderes Original zu dieser Kopieaufzufinden glaubt. Wodurch es diesem Meister, denn von Schau-spielern. die überall nur sich geben, kann keine Rede seyn, denn doch ge-linge, bei so scharfer Charakteristik ein Individuum darzustellen, gehörtl nicht bieder; genug, daß wir gesehen haben, wie ohne Charakteristik^ die Schaulspielkunst nichts ist. Die angegebenen Gesetze dafür wen-det leicht jeder selbst auf sie an. Der Schauspieler, wenn er es thut,befindet sich ziemlich dabei im Falle des bildenden Künstlers, wie dennüberhaupt die Schauspielkunst als belebte Bildnerei betrachtet werdenmag. Dann ninß man aber bekennen, daß die Schauspielkunst nochmehr Schwierigkeiten zu besiegen bade als die Bildnerei; denn wennsich diese aufEinen Moment beschränkt, so hat jene einen vollständigenCyclus darzustellen, worin mit immer gleich gehaltener Wahrheit einBeharrliches, der Charakter, in beständigem Wechsel durch die man-nigfaltigsten Uebergänge zum Ziele geführt wird, an welchem allesEinzelne Ein Ganzes ausmacht. Vieles hat sie hierin mit der Musikgemein, wovon nachher. Milder
Bilbnerei hat sie Ausdruck der Beschaffenheit und des Zu-standes der Seele im Körper gemein, denn darin besteht der eineTheil der Charakteristik bildender Kunst; der andere bezieht sich ledi-glich auf die äußere Beschaffenheit der dargestellten Wesen, Erfassungder Eigenthümlichkeiten, womit die Natur ein jedes in Gestalt, Farbeund Größe bezeichnet hat. Bei diesem Theile brauchen wir nicht zuverweilen, denn daß jeder Naturgegenstand so naturwahr dargestelltwerden müsse, daß man nickt nöthig hat, unter ihn zn schreiben:hics ist ein Pudel, das ein Löwe, versteht sich wohl von selbst. Außerdieser treuen Naturwahrheit kann die bildende Kunst zwar in Hinsichtauf äußere Gestalt durch Wahl der Formen das Treflichere darstel-l len, charakteristisch kann sie aber sonst nur seyn durch Ausdruck desl Geistigen im Körperlichen- Wo die Natur anfängt, durch inwohnen-den Geist, Seele, bedeutend zu werden, da fängt auch eigentlich erstder Kreis der schönen bildenden Kunst an, und Kopien von Ratuc-Segcnständen, wäre auch ihr äußerer Charakter noch so genau beobach-tet und die Behandlung noch so treflich, haben doch keinen Anspruchauf den Rang unter Werken schöner Kunst, wenn nicht der Künstlerjene Bedeutung herausgehoben hat. Dies ist bei manchen Gegenstän-den gar nicht, des einigen in geringerem, bei andern in höherm Gra-de möglich. Die der erster» Classe nennt Gvthe widerstrebendeGegenstände, bei denen wir nicht verweilen wollen. Zu denen derzweiten Classe gehören Stillleben, Landschaften, Thier-stücke, deren eigenthümliche Charakteristik wir da angeben werden,wo wir sie ausführlicher betrachten können. Im Allgemeinen sagenwir nur 'verlier, daß ohne Charakteristik alle Darstellungen solcherArt leer und sad sind und den Beschauer gleichgültig lassen. Diehöhere Charakteristik beginnt, wo im organischen Leben frei? Thätig-