44 Industrie Jnes de Castro
rung entstehende Erscheinung eines neuen Genußmitels. Zurindustriellen Productivkraft gehören demnach alle wissenschaft-lichen Arbeiten, selbst auch in nationäl-ökonomistischer Hinsicht,alle Künste, alle Ha n d werke , Manufakturen, Fabri-ken und der Handel, obschon der letztere keine Gestaltverände-rung bewirkt, sondern bloß einer K r a f t ä u ß e r u n g nur Ver-breitung der aus der industriellen Productivkraft ent-standenen Genuß Mittel bedarf, welche ohne jene Kraftäuße-rung zur Verbreitung nicht zum Genusse gekommen seyn, und mit-hin in der industriellen Productivkraft einen Stillstand veranlaßthaben würden. Die industrielle Productivkraft befriedigt demnachzur Verschönerung des Menschenlebens nicht allein die ersten Le-bensbedürfnisse, sondern auch die Bequemlichkeiten des Lebens unddes Luxus, des Glanzes, der Verzierung, des Putzes und der aus-gedachten Weichlichkeit. Wenn nun ein K a p i t a l b e s i tz e r alsVerleger den Productstoff aller Art durch gemiethete Arbeiterfür seine Rechnung bearbeiten und in Genußmittel verändern läßt,ohne welche kein Nationalwohlstand denkbar ist, so nennt man die-ses Unternehmen gewöhnlich eine Jndustrieanstalt. T.
Jnes de Castro. Der Jnfant Pedro, der Sohn Alfon-so's des IV. Königs von Portugal, hatte nach dem Todeseiner Gemahlin Constantia, sich mit seiner Geliebten Jnes (Agnes)de Castro, die von dem castilischen Kömgstamm'entsprossen war,von welchem auch Pedro von mütterlicher Seite abstammte, heim-lich verbunden. Als er nun alle Borschläge zu einer neuen Ver-mahlung standhaft verwarf, und mehrere Zeugen des zärtlichenWundes erschienen, durchschaute der Argwohn das Geheimniß, unddie Neider der schönen Jnes befürchteten, es möchten ihr Bruderund ihre Verwandten des neuen Königs ausschließende Gunst ge-winnen, wenn Alfonso sterben sollte. Der alte König ward vonden hinterlistigen Rathgebern, Diego Lopez Pacheco, Pedro Coellound Alvaro Gonsalve; leicht eingenommen. Sie theilten ihm ihrenArgwohn über das Verhältniß zwischen dem Prinzen und Jnes mit,und erweckten ihm die Besorgnis, daß diese Verbindung seinemunmündigen Enkel, Ferdinand, dem Sohne Pedro's von seinerverstorbenen Gemahlin Constantia, nachteilig werden könnte. Al-fonso fragte seine» Sohn, ob er mit Jnes vermählt sey. Pedrowagte es nicht, seinem Vater die Wahrheit zu gestehen, und nochweniger konnte er des Königs Befehl gehorchen, seiner Geliebtenzu entsagen und mit einer Andern sich zu vermählen. Alfonso pflogvon neuem Rath mit seinen Günstlingen, und es ward beschlossen,die unglückliche Jnes zu todten. Die Königin Beatrir, des Jnfan-ten Mutter, welche von dem grausamen Entschlüsse Kunde erhielt,warnte ihren Sohn. Pedro aber, den Wink seiner Mutter undselbst die Warnung des Erzbischofs von Braga verschmähend,meinte, man habe nur, um ihn zu schrecken, das drohende Gerüchterfunden. Alfonso trug indeß den harten Entschluß mit sich herum,und als Pedro einst sich entfernt hatte, um sich einige Tage mitder Jagd zu erlustigen, eilte der König nach Coimbra, wo Jnesmit ihren Kindern im Kloster der heiligen Klara wohnte. Er-schrocken vernahm die Unglückliche Alfonso's Ankunft, aber sich fas-send trat sie vor ihn, warf sich mit ihren Kindern zu seinen Füßenund bat mit Thränen um Gnade und Erbarmung. Alfonso wardgerührt durch diesen Anblick und hatte nicht den Muth, die grau-
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