74 Instrumentalmusik Insurrektion
. Satz vollkommen und ohne weitere Unterstützung qualitativ in sichselbst hinlänglich abgeschlossen und begründet zu seyn schien, von dendeutschen Komponisten, besonders von Mozart, auch quantitativ zurharmonischen ausgebildet, und also das Gebiet der Musik aus dembloß Rr.hendlyrischen auch in das Episch-romantische hinübergespieltworden war, fand man den Kreis jener wenigen Instrumente zueng begrenzt, und es wurden nun, je nachdem man einen besondernEffect beabsichtigte, bei den neuern Kompositionen alle bekannteBlaseinstrumente angewandt. So wie aber die deutschen Komponi-sten sich der Fülle der Instrumente des innern qualitativen Egectswegen bedienten, so begannen die neuern französischen Komponistenhingegen, alle Instrumente nur der äußern, quantitativen Ohren-vetäubung wegen in Bewegung zu setzen. Dies der Grund, warumdie Jtaliäner fast nur allein bei streng lyrischen Situationen, dieDeutschen zur Hervorbringung romantischer Effecte, die Franzosenhingegen bei jeder Veranlassung sich sämmtlicher Blaseinstrumentezu bedienen pflegen; daher die wenigen Roten in den italiännchey,die vielen in den deutschen, der stete Ueberfluß an denselben in denfranzösischen Partituren. So viel über die hist stsche Entstehungder Instrumente und überhaupt der Instrumentalmusik. Was nunihren ästhetischen Charakter anbetrifft, so ist dieser bisher von denmeisten Kritikern, in so fern ihnen die absolut-romantische Naturder Musik unbekannt gewesen ist, durchaus verkannt worden. Be-sonders ist -ulzer in seiner Theorie über die Instrumentalmusik indem grellsten Irrthume befangen. Da nämlich dre Musik rein ro-mantisch ist, d. h. da sie mit Ausschluß alles dessen, was dem Ver-stände anheim fällt, nur die Sehnsucht nach einem unbekannten,außer uns liegenden Etwas darzustellen und auszudrücken sucht; s»folgt daraus, daß sie im eigentlichen Verstände keiner Worte be-darf, um in unsrer -.selc die beabsichtigte Wirkung hervorzubrin-gen. Nichtsdestoweniger kann die bloße Instrumentalmusik, in sofern sie dennoch immer nur eine Nachahmung der Vocalmusik ist,dieser durchaus nicht vorzuziehen, sondern billigerweise nur mitderselben gleichzustellen seyn, und es ist also ein absoluter Miß-griff, wenn Sulzer sagt, daß die Instrumentalmusik bei der Musikim Allgemeinen die Hauptsache ausmache. Nichtsdestoweniger istes eben so unrecht, wenn er urtheilt, daß die Musik, außer beiTänzen, Märschen und dergleichen, erst dann ihre vollkommeneWirkung hervorzubringen vermöge, wenn sie mit der Dichtkunstvereinigt sey, oder wenn er sagt, daß man die bloße Instrumen-talmusik als nichts anders betrachten könne, als wenn ein wohl-klingendes Geräusch, das stürmend oder sanft in die Ohren falle,und daß die Musik, in der sich nicht irgend eine Leidenschaft oderEmpfindung in einer verständlichen Sprache äußere, nichts anders,als ein bloßes Geräusch sey. Uebrigens lst hier noch zu bemerken,daß, wenn von Instrumentalmusik die Rede ist, diese allen denmusikalischen Stücken entgegengesetzt werden muß, in welchen sichGesang befindet, und daß sie also auch eben so wenig die bloße Be-gleitung zu diesem'bedeutet. Im Allgemeinen theilt sich die Instru-mentalmusik in Sinfonieen (Ouvertüren), Koncerte für einzelneInstrumente, Tänze und Märsche ein. kq.
Insurrektion. Insurgenten (vergl. Aufstand). Eshaben diese heut zu Lage so oft gehörte und in dem verschiedenstenSinne gebrauchten Wörter, mehr als eine Bedeutung. Die Grund-