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Interesse Intermezzo 79
eine ausgezeichnete Weise die höheren Thätigkeiten des Geistes be-schäftigt ^ oder ein eigentbümlicher Ausdruck derselben ist, wenn esauch nicht immer unmittelbar ein reines Lustgefühl erwecken sollte,aus welchem freilich größtentheils und vorzüglich das Jnterelse be-ruht; was mithin entweder durch seine bedeutsame Form oder sei-nen wichtigen Inhalt die Aufmerksamkeit des Gebildeten, der jeneKräfte übt und zu einem ungemeinen Grade ausbildet, an sich zieht,insbesondere aber das, was sich aus Menschheit, ihre Bestimmungund eigenthümliche Darstellung in der Wirklichkeit und Kunst be-zicht oder mit ihr in einem seltsamen Widersprüche steht, nach demAusspruche: boirro sunr niklil Iiuirrani s mc' alienunr esse; Pirto(ich bin ein Mensch, und nichts was Menschen angeht, ist mirfremd), oder wie der deutsche Dichter sagt: ,,die Menschheit ist demMenschen das Interessanteste." Das Interessante ist sonach nichtimmer das Schöne, obgleich das Schöne im gewissen Sinne immerauch intereffanr ist (intcressiren muß). Interessant ist z. B. in derKunst auch das Product einer großen, originellen Kraft, welcherdie Vollendung des Schönen noch mangelt, und man nennt auch einePerson, ihr Betragen, ihre Physiognomie interessant, (d. i. durcheinzelne hervorstechende, oder eigenthümliche Züge die Aufmerksam-keit , vorzüglich mit Wohlgefallen an sich' ziehend,) wenn sie auchnicht schön !d. i. in vollkommen ausgebildeter Form einen bedeu-tungsvollen Charakter verschließend) genannt werden darf. D.
Jnrerim. Nach Ueberwältigung des schmalkaldischen Bundeserließ Carl der V, um wie die politischen Verhältnisse nun auch dasReligionswesen in Deutschland auf den alten Fuß zu setzen, eineVerordnung, wir es einstweilen (daher sie das Interim ge-nannt wurde) bis zur definitiven Entscheidung des allgemeinen Con-cils mit Kirchenvcrfaffung, Lehre und Gebräuchen gehalten werdensollte und gab ihr auf dem Reichstage zu Augsburg 1Z48 die Krafteines Reichsgesetzes. Nur der Kelch im Abendmahle und die Prie-sterehe war den Protestanten darin nachgelassen, in allem klebrigensollten sie die schon seit mehr als ro Jahren außer Gebrauch gekomme-nen Formen und Ceremonien des Katholicismus wieder beobachten.Die katholischen Stände sahen in diesem Interim nur eine immernoch zu gelinde Rectisication der Protestanten, und diese wußtendurch Unterhandlungen und halbe Befolgungen Zeit zu gewinnen, bisihnen die passauer Verträge 1662 und der Friede zu Augsburg iSLSvollkommene Religionsfreiheit sicherte. L.
Intermezzo ist keine Erfindung der Neuern: denn, schondie Alten kannten gewisse kurze, abgerissene, locker in einander ver-wobene Darstellungen, mit welchen sie den Uebergang eines Stückszu dem andern zu verbinden und weniger grell von einander abste-chend zu machen suchten. So wie sie Prologe und Epiloge hatten,die dazu bestimmt waren, entweder vor oder nach dem Stücke dasPublikum in einen beruhigenden Bezug mit demselben zu setzen, sodienten auch solche Zwischenspiele dazu, das vorhergehende Stückgleichsam in das folgende überzutragen und mit demselben zu ver-schmelzen. Gegenwärtig gibt man den Namen: Intermezzo, kleinenitaliänischen oder deutschen komischen Opern, welche nur für eine,höchstens zwei Personen geschrieben sind, jetzt aber weder mit demvorhergehenden, noch mit dem nachfolgenden Stücke, in irgend einerVerbindung stehen. Da die Kritik an diese Art Producte, ebenweil sie durch die geringe Anzahl Personen so sehr beschrankt sind.