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Fünfter Band. Von I bis L.
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588 Lattaignant Latüde

dem Rufe, der glücklichste Liederdichter zu seyn. Ob er gleich vonNatur keine Anlage zur Satyre hatte; so glaubte er dergleichendoch in einigen Vaudevilles anbringen zu müssen, welche ihm aber,wie man sagt, besonders von Seiten des Grafen Clermont-Tonnere,fühlbare Unannehmlichkeiten zuzogen. Ja, eines Tages trug es sichsogar zu, daß jemand, der von ihm l^leidigt war, sich in der Per-son irrte und einem andern Canonicus von Rheims, der Lattaignantgleich, dicMige Belohnung zuertheilte, welche diesem zugedacht war.Lattaignannt nannte nun jenen Canonicus fortan einen Einnehmer.Nachdem er übrigens alle Freuden des Lebens genossen hatte, glaub-te er, bei herannahendem Alter, sich der Frömmigkeit widmen zumüssen und begab sich deshalb in ein Mönchskloster, wo er amro. Jan. 177g starb. Der Zufall wollte, daß die Bekehrung Lat-taignants von dem Abbe Gauthier, der auch Voltaire's Beichtvaterwar, inS Werk gerichtet wurde. Seine Gedichte erschienen invier Duodezbänden, welchen nach seinem Tode noch seine Liederund seine hinterlassenen Werke gefolgt sind. Mit Aus-nahme von etwa zwanzig seiner Lieder, können wir die übrigendichterischen Versuche des Abbe von Lattaignant nicht anders alsunbedeutend, schwach und kraftlos nennen. Im I. 1810 ist einOlioix äes xoesios sie I'Lddo äo I^nNniAirsut (Auswahl derGedichte des Abbä von Lattaignant) in einem Octodcz-bändchen erschienen. Lattaignant hat übrigens, wie bekannt, zuder Person gleiches Namens Anlaß gegeben, welche in dem franzö-schen Vaudeville, Vsnolion In vioilsuss (Fanchon das Leiermäd-chcn), vorkommt. Auch dem deutschen Publicum ist dieser Charakteraus Kotzebue's Uebersetzung jenes Vaudevilles bekannt.

Latüde (H. Mazers von) wukde im I. 1724 zu Montagnacin Languedoc geboren und im aasten Jahre seines Alters unterLudwig XV. in die Bastille gesperrt, weil er, wie man sagte, derPompadour von einem, angeblich gegen ihr Leben angestiftetenEomplotte, welches aber nicht vorhanden war, eine falsche Anzeigegemacht hatte. Er gedachte nämlich durch diesen erdichteten Esserdie Protektion der königlichen Maitreffe zu erhalten und zeigte ihran, sie werde eine mit dem feinsten Gifte angefüllte Schachtel em-pfangen: doch enthielt diese Schachtel, die er selbst zubereitet hatte,nichts als ein wenig Asche. Ein langes Gefängniß ward darausdie Strafe dieses Betrugs. Mehrere Male suchte er zu entweichen;aber stets dienten diese Versuche nur dazu, ihn nur noch enger ein-zukerkern. So ward er theils in der Bastille, theils zu Bincennesund im Bicötre Z 5 Jahre gefangen gehalten. AIs er endlich zu An-fange der Revolution in Freiheit gesetzt wurde, gab er seine Denk-würdigkeiten heraus, die, außer interessanten Zügen, noch denBeweis liefern, daß von 20 Personen, die unter Ludwig XV. indie Bastille geworfen wurden, stets 19 diese Strafe verdient hattenund nur durch Verwendung ihrer wichtigen Familien dem Galgenoder der Galeeren-Strafe entgangen waren. Und doch wurden dieseDenkwürdigkeiten in den Händen der Revolutionspartei eine gefähr-liche Waffe gegen die königliche Familie und gegen die Anhängerderselben. Nachdem die Nationalversammlung dem Latüde 17Z0 einePension bewilligt hatte, diese aber nachher eingezogen worden war,wurden die Erben Amclot's und der Pompadour durch die Gesetzercrurtheilt, dem Latüde einen Schadenersatz zu geben. Bon ihnen«hielt er einige Meiereien, die ihn bis an sein Ende anständigen