Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
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Lavatkr 6oz

scheint später von dem starken Glauben daran zurückgekommen zuseyn, und, während er die Heilkunde der inneren Menschen immereifriger betrieb, seine Studien über die Lüge der äußeren in eineunschuldige Kunstliebhaberei verwandelt zu haben. Unerschütterlichhielt er dagegen an der ihm eignen Ansicht des Christenthums, dieaus seinen Phantasiern über die biblischen Lehren mehr als ausdiesen Lehren selbst erwachsen, neue Deutung mit steifer Orthodoxie,philosophisches Raisonnement mit Aberglauben wunderlich vermischte.Der Grundzug dieser Ansicht war sein Glaube an die Möglichkeitsinnlicher Erfahrungen von den unsichtbaren Kräften, die das Chri-stenthum in der geistigen Welt erweckt hat. Daher ging er in sei-ner Meinung von dem Einflüsse des verklärten Christus auf diesichtbare Welt, von der Gemeinschaft der Gläubigen mit ihm, dieihm fast eine physische Verwandtschaft war, von der Allgemeinheitder außerordentlichen Gaben des h. Geistes, von der Kraft desGlaubens, von dem Rechte der Christen auf Erhörung ihrer be-stimmtesten Bittgebete, worüber er selbst merkwürdige Erfahrungengemacht hatte, überall weiter, als »ine richtige Exegese der h. Schrifterlaubt, und auf Voraussetzungen hin, die sein von gelehrter Kri-tik ganz entblößtes Verständniß biblischer Aussprüche und Tropenwenig begründen konnte, folgerte er oft zu schnell, was seiner Phan-tasie annehmlich schien. Dieß zeigte sich am auffallendsten in seinengrößeren Epopöen Jesus Messias und P o n tiu s P ilatu s(1731 bis 1786), worin er sich am getreusten ausspricht, und inden Erzählungen eines christlichen Dichters, 1798, dieinsgesammt, wie überhaupt die religiösen und poetischen Schriften,in denen er dogmatisirt, deutlich beweisen, daß er als Theolog zusehr Dichter, und als Dichter zu sehr Theolog war. Erklärlich istes daher, warum ihm seine Bekehrungsversuche bei eigentlichen Ge-lehrten und selbstständigen Männern so wenig glücken wollten. Wieredlich er es auch mit dem Wunsche meinte, daß-jeder bedeutendeMann, der ihm werth war, seine Ansicht theilen möchte, wie gedul-dig und unverdrossen er auch bei seinen Bemühungen, andere zuüberzeugen, verfuhr; etwas gewaltsame« und für die AngegriffenenPeinliches lag immer in seine« gewohnten Manier, Andersdenkendedurch die Alternative, daß sie ihn entweder widerlegen, oder seinenGlauben annehmen mußten, zu unumwundenen Erklärungen zu nö-thigen. Auf diese Art hatte er im ersten Jugendfcucr die Bekeh-rung des jüdischen Philosophen Mendelssohn unternommen, ein Ver-such , der natürlich fehlschlug und ihm eine beschämende Zurechtwei-sung zuzog, ohne ihn von ähnlichen mißlichen Wagstücken abzuhalten.Ausweichende oder derbe Repliken hatten Derbheiten auch von seinerSeite zur Folge, und mancher ihm sonst gewogene Gelehrte wurdedadurch von ihm entfernt. So kam er zum Theil durch eigne Schuldin den Ruf eines Schwärmers, der sich in Alles mische und seineMeinungen jedermann aufdringen wolle, und je bedeutender seinGeist, Ansehn und Anspruch war, desto schärfer urtheilte man nunüber jeden seiner Schritte. In der That war es ihm natürlich, anleder öffentlichen Sache, die die Religion anzugehen schien, lebhaf-ten Antheil zu nehmen; seine entschiedene Neigung zum Wunderba-ren , Uebernatürlichen und Geheimnißvollen verleitete ihn mehr alseinmal, die Erwartung v»n Wundern und Offenbarungen laut wer-den zu lassen, und in dem Bestreben, etwas Unerhörtes zu entdeckenund zu sagen, strich er oft nahe an das Abentheuerliche, Daher