Lavater 607
auf dir Straße bcschäfftigt war, herumschwärmcndc Soldaten zuerquicken und zu beschwichtigen, schoß ein französischer Grenadier ihnmeuchlings durch die Seite. Ueber ein Jahr litt er, mit wenigenTagen eines leidlicheren Befindens, die er den Amtögeschäftcn wid-mete , an diesen Wunden, und schrieb auf dem Krankenlager seineDeportationsgeschichte, eine nachdrückliche Boxstellung andie revolutionäre Regierung; Saulus und Paulus, eine christ-liche Dichtung; eine Menge Briefe, unter andern auch den merk-würdigen an Stollberg, über dessen Religionsveränderung, und dieOde ,,Zürich am Ende des rZten Jahrhunderts" diezu den vortrefflichsten Gedichten in dieser Gattung gehört, und seinefrüheren Poesieen weit hinter sich läßt. Die ebenfalls sehr herz-liche Ode ,,Iüpich am Anfange des rgten Jahrhun-derts" war sein Schwanengesang. Gegen Ende des Jahres rZe-awurden seine Schmerzen an den immer noch offen stehenden Wun-den immer empfindlicher, keine Stellung und Lage gab ihm mehrRuche, sein Rücken war ganz wund und gekrümmt, aber die härte-sten Qualen trug er mit einer Geduld, Ergebung und Heiterkeitdes Geistes, die jedermann zur Bewunderung hinriß, und selbstseine Gegner überzeugen mußte, wie sehr es ihm mit seinem Chri-stenthume Ernst gewesen. So starb er den sten Januar 1801 imbasten Lebensjahre, von einer väterlich geleiteten Familie und allenGuten beweint, seiner Vaterstadt, um die er so große Verdienstehatte, unvergeßlich. Frühere und devotere Jahrhunderte, als das,in dessen Morgenröthe seine Sonne unterging, hatten ihn heilig ge-sprochen, denn in ihm vereinigten sich, selbst den Märtyrertod nichtausgenommen, alle die Eigenschaften, die die Kirche von ihren Hei-ligen fordert, und die meisten, die sie verehrt, wurden von ihm anAdel des Geistes und Herzens und ungeheuchelter praktischer Fröm-migkeit weit übertreffen. Ein Christ zu seyn war seine Wissen-schaft und sein Ruhm, und daß er so ernstlich nach dieser Virtuosi-tät strebte, hätte ihm Niemand verargen sollen. Den Schätzen derGelehrsamkeit verdankte er wenig, er producirte mehr, als er las,und was er war, wurde er von innen heraus. Daher das vieleSinnreiche und Erbauliche in seinen Schriften, das auch die Zukunftnicht unbenutzt lassen, und seine ausgezeichnete Individualität, dieder Betrachtung und Achtung immer werth bleiben wird. Seinsittlicher Character war durchaus edel und redlich, nur das Ueber«Aüß des Beifalls machte ihn bisweilen klein, doch blieben seineAbsichten stets lauter, und er vergab gern, anstatt zu vergelten.Glaube und Liebe waren die Grundzüze seiner Natur; JohannesMüller, der ihn, wohl etwas zu günstig, den Kirchenvater unterden neuen Theologen nennt, konnte mit Recht sagen, er kenneräum einen, der wahrhafter und stärker glaubte, tiefer fühlte undinniger umfaßte, als Lavater. Der Grund seiner Schwächen was>n seinem, oft von zu starken Phantasiern und ausschweifen-«en Plänen bestürmten Kopfe, als in seinem Herzen zu suchen,uno wenn es von der zahlreichen Jüngerschaft, die sein Ehristen-ryum gebildet hat, noch Ueberreste giebt, so haben sie nicht Ursacheoarum an ihrem Meister irre zu werden, weil er bei großen Ta-nten und rühmlichen Tugenden auch menschlich fehlen konnte,a - 2-
dem schrveiz. Lvuwin, Lauwin, Laüwan, LLu-vowln, Sauin, Erbin, siöbinenstrich, Säumer, Schneelauwin-