658 Leisewitz Lekain
tes dramatischer Gedicht, Juliu« von Tarent (Leipzig, 1776),«inen Ruhm erworben, der vielleicht verhältnißmäßig keinem ein-zigen der bisherigen Schauspieldichter zu Theil geworden' ist. Werdieß Trauerspiel" nach seinem wahren Werthe zu würdigen weiß,dem muß der Gedanke, daß Leisewitz, ohne eine besondere Ver-anlassung, wahrscheinlich noch viele dergleichen verfertigt habenwürde, mit Schmerz erfüllen. Diese Veranlassung soll, wie manfür erwiesen hält, folgende gewesen seyn. Der berühmte Schau-spieldirector Schröder zu Hamburg hatte bei seiner Uebernahmeder dasigen Thcaterdirection einen Preis aus das beste Trauer-spiel gesetzt, und einen Brudermord zum Süjet desselben aufgege-ben. Leisewitz bearbeitete seinen Julius von Tarent, undKlinger seine Zwillinge? Letztere schienen den Preisrichternden Vorzug zu verdienen und erhielten also den ausgesetzten Preis.Dieß kränkte Leisewitz dergestalt, daß er ein Gelübde that, hin-fuhr» keine Zeile weiter für das Theater zu schreiben. Dieß,wie man behauptet, die Ursache, warum er, trotz seines glorreichenBeginnens, die dramatische Carriere nicht weiter verfolgt hat.Der Ausspruch des großen Publicums berichtigte jedoch bald dar-auf die Meinung jener Preisrichter: die Zwillinge (obgleich ansich ein gleichfalls sehr verdienstvolles Werk) erhielten eine kalteAufnahme und verschwanden nach einiger Zeit ganz von den deut-schen Bühnen; dahingegen Julius von Tarent ein Lieblingsslückdes Publicums geworden ist und immerfort mit dem größten In-teresse gesehen werden wirh. Wie viele dramatische Talente mö-gen nicht schon bis auf den heutigen Tag von dem Irrthume derder Bühnenvorsteher unterdrückt worden sein! Außer Julius vonTarent hat Leisewitz nichts herausgegeben; aber schon früher aneiner Geschichte des siebenjährigen Krieges gearbeitet,'wovon jedoch das Manuskript, auf sein ausdrückliches verlangen,noch vor seinem Tode vernichtet worden ist. kg.
Leiter (elektrischer), s. Körper (elektrische),Elektricität, Elektrisirmaschine und Elektrophor.
Lekain (Henri-Louis), ward am 14. April 172g, also indemselben Jahre geboren, in welchem Baron starb. Bestimmt,dem Vater, der ein Goldschmidt war, in seinem Geschäffte zu fol-gen, erhielt er eine, diesem Zwecke angemessene, Erziehung, DerBesuch des Theaters brachte ihm frühzeitig eine außerordentlicheLiebe für die Schauspielkunst bei, und dieser Liebe folgte baldder Trieb, selbst Schauspieler zu werden. Ehe es ihm jedochmöglich wurde, diesen Plan in Ausübung zu bringen, wollte ersich wenigstens auf Gesellschaftsbühnen diejenige Routine verschaf-fen, ohne welche kein Anfänger, selbst mit dem hervorragendstenTalente ausgestattet, auf einer wirklichen Bühne Glück machenkann. Bei einer dieser Privatvorstellungen gelang es dem jungenLekain, vor den Augen eines Kenners ein so seltenes Genie zuentwickeln, daß dieser, wie von einem Wunder in Erstaunen gesetzt,Voltaire'» auf Lekain aufmerksam machte und von diesem, wievon einem Talente redete, das die französische Bühne zu verherr-lichen im Stande wäre. Voltaire, der, wie alle wahrhafte Ken-ner, vor den Liebhabertheatern einen Widerwillen hatte, entschloßsich nur mit Mühe, einer jener Vorstellungen, in welchen Lekainspielte, zu besuchen. Aber, wie erstaunte er, als er durch sichselbst bestätigt fand, was ihm von dem Talente des jungen Man-