Leo 6/r
Tafel zu erhalten pflegte, war er genöthigt, mit einem Distichonzu bezahlen. Von literarischen oder poetischen Arbeiten hat Sesnichts hinterlassen, als ein lateinisches Gedicht, welches er wäh-rend seines Cardinalats auf eine neu entdeckte Statue der Cleo-patra verfertigt hatte. Der Engländer Wilhelm Roscoe hat eineGeschichte Leo'sX. in vier Quartbanden (London i8c>5, geschrieben,welche 1803 von Henry ins Französische übersetzt worden ist.
Leo (Leonardo), zuletzt Capellmeister am Conftrvatorio St.Oeofrio und Privat-Componist bei der königlichen Capelle zu Nea-pel, wurde 1694 (nach Piccini 1701) zu Neapel geboren. Manglaubt, daß er unter Scarlatti studirt hat. Ihm, Pergetosi undeinigen andern Componisten seiner Zeit gebührt der Ruhm, dieneapolitanische Schule über ganz Europa verbreitet zu haben. Un-ter seinen Schülern zeichnen sich insbesondere Piccini, Lraetta undandere aus. Er übertraf alle seine Vorgänger und kann, da eralle Gattungen der Composition bis zu einem gleich vollendetenGrade in sich vereinigte, für einen der größten Meister gehaltenwerden, die Italien je hervorgebracht hat. Gleich stark und wirk-sam in Instrumental-, wie in Vocal-Musik, gelang ihm das Groß«und Schreckliche, wie er im entgegengesetzten Falle auch das Sanfteund Zarte auszudrücken wußte. Seine Arie: Esoro xurZolotto,im Deinokoonte des Metastasio, wird, so lange Musik vorhandenist, für ein Muster von Gesang und Ausdruck gehalten werden.Noch hat es kein Componist in künstlichen Accompagnements, durchwelche physische Gegenstände, wie z. B. das Rauschen des Wassersoder einer andern solchen Naturerscheinung ausgedrückt werdensollen, so weit gebracht und, bei der Unmöglichkeit, solche Gegen-stände zu malen, so wenig gegen den eigentlichen Zweck der Musikverstoßen, wie Leo. Die Art des Gesangs, welche solche Beglei-tungen zuläßt, wird Lrin ä'ostinurione genannt, dergleichen dieberühmte Arie: Oinbrn ckiletin äel vnro sxoso, das Aposto Zeno,ist. Der Zweck des Componisten hierbei war, Erstaunen und Be-stürzung zugleich zu erregen. Dieß verstand Leo auf eine unnach-ahmliche Weise. Alle Werke dieses großen Componisten sind vollStücken, die Bewunderung verdienen. Auch gelten sie sämmtlichfür Meisterstücke, die von den italienischen Lonkünstlern mit Ehr-furcht und Erstaunen studirt werben. Ungeachtet Leo besonders fürdas Leidenschaftliche und Erhabene geschaffen war; so gelang ihmdennoch das Naive und Scherzhafte nicht minder vortrefflich. Un-ter diesen Arbeiten wird insbesondere seine komische Oper: tk (!ic>L(das heißt), genannt, welches eine höchst geniale Composition ist.Der Inhalt dieser Oper ist ein Mensch, der die Gewohnheit, zujedem Worte „das heißt" hinzuzusetzen, und der in der Meinung,Alles recht deutlich zu machen, nichtsdestoweniger jedermann voll-kommen unverständlich rbleibt: Leo ist übrigens der erste Compo-nist, der sich in seinen komischen Opern der Form der Rondo's be-dient hat. Nach Piccini starb er 174Z im zwei und vierzigsten»nud nach Burncy 1742 im fünf und fünfzigsten Jahre am Schlag-flusse oder an einem ungeschickt behandelten Nackengeschwär. Seinevorzüglichsten Opern Compositionen heißen: Soxkoniskm, 1718 (nach-durney seine erste Oper); XrtnLer-:e; Xrincliis o ; Olim-
pmue (worin das Duert: Kei Kiorni ruoi keiioi, und die Arie:dlouso clnucke viorie, vorzüglich bewundert werden); Ueniokooni«(korin, wie schon oben erwähnt, die Arie: iVIisero x-rrZoletto,