Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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811
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Ludwig XV. Fer

:arsiellcn, und dabei die fortwirkenden Einflüsse des ZeitaltersLudwigs XIV. auf die allgemeine religiöse und politische Denkartler gebildeten Stände, vorzüglich aber die erste Ausbildung de«Sewint der öffentlichen Meinung in Frankreich, scharf inS Augefassen müssen. Das Eigenthümliche der Zeiten Ludwigs XV. be-steht in jener geistigen Entwickelung der Ration, in dem Glänzeand in der Kühnheit der neuen wissenschaftlichen Ansichten, undin ihrem Einflüsse auf das Leben. Aus ihnen ging hervor jenefurchtbare Trennung des Verstandes von der Sittlichkeit, der Lei-»Umschatt von der Gerechtigkeit, und der Aufklärung der Begriffevon den Formen des Staats und der Kirche. Die unmäßige Ge-außgicr, welche von oben herab alle Stande durchdrang, verbandsich mit eine« gewinnsüchtigen Selbstsucht, welche durch die falscheleichtsinnige Anwendung der Finanzgrundsätze Law's geweckt, durch,den Banquerout von Soo.ooo Bürgern, die von ihrem ganzen Ver-mögen nichts als Papier übrig behielten, mit Betrug und Ver-zweiflug gepaart, und durch die Philosphic des Tages in Schutzgenommen wurde. Aus dieser Genußgier und Selbstsucht entwik-.ketten sich die meisten Fehler und Laster von Ludwigs XV. Zeitge-nossen. Es entstand eine Sittenvcrgiftung, welche bei der Eitel-keit und dem Leichtsinne der Ration immer weiter sich verbreitete^und immer tiefer an den Wurzeln des Gemeingeistes und jeder-Bürgertugend nagte. Ludwig XIV. nahm mit den Worten vonseinem Urenkel und Nachfolger Abschied: „ich habe wider meine^Neigung meinem Volke große Lasten aufgelegt; aber langwierigeKriege, die ich führen mußte, nöthigten mich dazu: liebe den Frie-den und unternimm nie einen Krieg, wenn ihn nicht das Bestedes Staats und die Wohlfahrt der Völker nothwendig machen."Noch tiefern Eindruck hätte auf das Gemüth des königlichen Kin-des das Betragen des Volks machen können, welches den Leichen-wagen des Königs mit Dchimpfworten begleitete, und sich einerschamlosen Freude auf den Straßen, durch welche der Zug ging,überließ. Was mußte «der der 6jährige Knabe von dem I-it äojll-tice, die stärkste Aeußerung des Despotismus, welche ihn derRegent zur Bestärigung seiner Regentschaft halten ließ, sich füreine Vorstellung machen? Wie ganz anders dachte sein Vater, derDüc de Bourgogne! Dieser edle Fürst hatte die Absicht, wenn erden Thron bestiege, dem Volke seine Verlornen Rechte wieder zugeben. Erst mit dem siebenten Jahre wurde Ludwig männlichenHänden übergeben. Sein Führer, der Marschall von Villeroi, waraber kein Montanster, Beauvillicrs oder Fenelon. Als einstLudwig von einer gefährlichen Krankheit genas, äußerte das Volkseine Freude durch wiederholte Festlichkeiten. Der Hof und derGarten der Tuillerien wurde nicht leer von Menschen. Da führteBilleroi den König von einem Fenster zum andern. „Hier sehenSie, mein König, Ihr Volk, dieses Volk gehört Ihnen ganz an;alles, was Sie sehen, ist Ihr Eigenthum ; Sie sind Herr und Mei-ster davon!" Der Lehrer des jungen Königs, der kluge, bescheideneFleury, Bischofs von Frejus, suchte und gewann das Vertrauenfeines Zöglings auf eine edlere Art. Ein Dritter, der jedoch aufden jungen König weniger Einfluß erhielt, war sein Beichtvater,°cr Jesuit Linieres. Der Cardinal Dubois hatte seine ErnennungSU dieser wichtigen Stelle, gegen Fleury's Wunsch und den Rath deswackern Cardinals von Noailles durchgesetzt. Indeß behielt Fleu?