Europa's neue Gestaltung nach dem pariser.Frieden und dem wiener Congresse im Jahr1815. Mit drei historischen Karten.
Die französische Revolution hat mitten dij^ch Europa hin, wieMirsbeau es voran s iah, ihren Lauf vollendet. Das Volk, welchesden Eroberern ähnlich, die Hoch. Asien einst gegen den Indus undeje Donau aussandte, die Staatskunst der Waffen an die Stelledes Rechts und der Freiheit setzen wollte, ist gezwungen worden,seinen Jauusterr-pel zu schließen. Die Weltgeschichte feiert in un-sern Lagen den Triumph der Handelsfreiheit, wie vor anderthalbJahrhunderten den Sieg des Glaubens und der Ueberzeugung. Gu-stav Adolph und Alexander I. ; Wilhelm Cecil und Castlereagh;Dörfliuger und Blücher; Lrautmannsdorf und Metternich, welcheErinnerungen! Was Eugen von Gavoysn und Warlborough nichterkämpften, i'aben Schwarzenberg und Wellington errungen; denSieg über Richeliek's Staatsmaximen. Die letzte Frucht des galli-schen Wachiilvellismus, das.Kontinentalst;stem, "ist zerstört.
Der Staat, die Kirche und jedes Heiligthum der Menschheithofft, daß dicse Form der Unterdrückung, welche seit jene« dun-keln Borzeit, in der Sesosiris seine Raubzüge gegen den HandelArabiens und LethiopienS unternahm, bis zur Erscheinung der De-krete von Berlin und Mailand, nie so gewaltsam das innerste Le-ben der Nationen bedroht hatte, aus immer vernichtet sey. FünfMillionen Menschen sind ein Opfer des Krieges gefalle». So ra-sete nicht in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts der „schwar-ze Tod" die Pest durch Europa! Der Wohlstand einer halbenWelt, seit den Zeiten der Hanse von achtzehn GrschlechtSalter» auf-gebaut, ist vernichtet. Und dieser Zeitraum des beleidigten Völker-rechts und der gefesselten Cultur hat die Begriffe und Sitten derVölker, die Gewohnheiten und Grundsätze der Regierungen nichtweniger zerrüttet und verwirrt, als die alten heiligen Grenzen derLänder und Sprachen.
Europa ist endlich zurückgetreten in die politische Ordnung derStaaten vor fünfundzwanzig Jahren. Ist ihre Form aus dem gro-ßen Weltbrande geläuterter, gediegener hervorgegangen? Sehen diebessern Menschen ihre Hoffnungen erfüllt?
Das wissen wir: die Völker und Fürsten find an heilbringende»Erfahrungen reicher, die Verbindung derselben unter sich ist aufrich-tiger und rechtlicher, der Geist der öffentlichen Meinung ist aufge-klärter geworden. Wäre auch nur das Einzige gewonnen, daß dieschroffe Scheidewand, welche besonders den besoldeten Krieger vondem Staatsbürger, mittelbar aber die Persönlichkeit deß Regentenvon dem Charakter des Volks trennte, nicht mehr Las Ganze zer-spalten sollte z so wären jene Millionen unserer Bruder nicht um-sonst gefallen. Doch wir dürfen von der Zukunft mehr hoffen. DieStaatskunst scheint auf den Grundsatz der öffentlichen Gerechtigkeit,dem oer Vortheil der Wacht unbedingt weichen muß, zurückgeführtzu styu; der Deutsche insbesondere, dessen Gemcinsknn Vorurthrile,Bruderzwist und fremder Druck so lange gefesselt hielten, daß er,wie der Italiener und Grieche, tief unter jedem andern Europäerstand, scheint einen großen Schritt zur Wiederherstellung, seinesRationalcharaktsrs gethan zu haben.
Wie ward dieß möglich, und in welcher Gestalt tritt jetzt Eu-ropa avs den Kämpfen und Leiden fünfundzwanzizjähriger Erschüt-terung hervor? Diese Frage >4ll die angekündigte Schrift, nach