Band 
Sechster Band. M und N.
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izr Marino (S.)

recht, auch manche wollüstige Gemählde, weßhalb der Adone in Ita-lien zu den verbotenen Büchern gehörte. Ferner hat man ihm vorge-worfen, d'aß er, die edle Einfachheit der frühern Dichter verlassend,seine Schreibart durch Schwulst, erkünstelte und ungeheure Meta-phern und überfeine Pointen und Wortspiele (sogenannte Concetti)verunstaltet habe; diesem Borwurf aber liegt zum großen TheilEinseitigkeit und Pcdantismus zum Grunde. Zwar wollen wir esnicht übernehmen, den Marino allenthalben zu rechtfertigen, ge-schweige denn als Muster aufzustellen, wozu jedesmal nur die ein-fache Große sich eignet; aber wir schätzen und bewundern seinenScharfsinn, seine geistreichen Spiele des Witzes, seine kühnen Ver-knüpfungen und Wergleichungen, wodurch er auch dem Alltäglichenneue Reize zu leihen weiß. Nicht sowohl Marino, als seine Nach-folger verdienen Tadel, welche ohne Geschmack und Geist ihn zucopiren glaubten, wenn sie sich bis zum Abenteuerlichen verirrten.—Werthes hüt die schönsten Stellen des Adone im Auszuge zusam-mengestellt. — Die übrigen Werke Marino's besteh» in einem er-zählenden Gedichte t.a «iraue äoxli innoooliri, und aus einer grc-ßen Anzahl vermischter Gedichte, die theils unter dem Titel l.>l.irs, theils unter der Überschrift 1.- üainpopn-» verschiedentlichgedruckt sind, ferner aus I^streis Arave. ->r^>il«, sscec« und an-dern Sachen in Prosa und Versen. Die meiste Aufmerksamkeitverdienen noch seine Sonette, worunter einige zu den vorzüglich-ste» gehören, welche die italienische Sprache besitzt.

Marino (S.), eine kleine Republik in Italien, welche imKirchenstaate auf einem Gebirge liegt, das von den HerzogthümeruNomagna und Urbino umgeben ist, und welche unter päpstlichemSchutze steht. Sie hat schon über dreizehn und ein halbes Jahr-hundert gedauert, und soll auf folgende Art entstanden seyn. Ei»Mauermeister, Namens Marine, begab sich auf den hiesigen einsa-men Berg und führte ein einsiedlerisches Leben. Er kam in denRuf großer Heiligkeit, und die damalige Besitzerin! des Bergs schenkteihm den Berg. Nun bauten sich hier allerlei Leute an, die mit derZeit einen eignen Staat ausmachten, und denselben nach jenem Ein-siedler Sän Marino nannten. Im I. iioo kaufte die Republik dasSchloß Pennarosta in der Nachbarschaft und im I. 1170 ein ande-res Namens Casolo. Ungefähr uyo Jahre nachher leistete sie demPapste Pius I>. Beistand, der sie daher ansehnlich beschenkte. Da-mals wär sie im größten Flor, allein gegenwärtig ist sie wieder inibre alten Gränzen eingeschränkt. Im I. 17ZY wurde sie zwar ausVerlangen einiger Unterthanen von dem Cardinal Alberoni, päpstli-chem Legaten zu Navenna, dem römischen Stuhle unterwürfig ge-macht, aber auf die vom Rathe geführten Klagen kurz vor demTode Papsts Clemens Xll. wieder in ihre Freiheit eingesetzt. DieRegierung besteht aus einem Rathe von 60, zur Hälfte adeligen, zurHalste bürgerlichen Personen. Bei wichtigen Angelegenheiten ver-sammelt sich der grosse Rath, wozu jede Familie eine Person gibt.Die vornehmsten Beamten sind zwel Capitani, die ihr Amt sechs Mo-nate verwalten, und der Commrssarius oder Civil- und Crimüial-richter, der den Capitani zugegeben, allemal ein auswärtigerRcchtsgclehrter ist, und auf drei Jahre angenommen wird. Alle waf-fenfähige Mannschaft steht unter einem Kriegstribun, den dasVolk wählt, und der unabhängig von den Capitani ist. Die gan^Republik von Z Quadratmeile enthält in den 10 Kirchspielen der