Band 
Sechster Band. M und N.
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182 Matthisson i

rend seiner ganzen, fast unter steten Unruhen und Kriegen geführ-ten Regierung nicht nur, daß er die Wissenschaften ehre, sonderndaß er auch selbst gern sich mit ihnen beschäftige und sie geschicktzu befördern wisse. Leider wurde der kostbare Bücherschatz, den erin seinem geliebten Musentempel Ofen zusammengebracht hatte,zwanzig Jahre nach seinem Tode von den Türken vernichtet. Hierruhte er von seinen Kriegsbeschwerden in wissenschaftlichen Beschäf-tigungen aus, und versammelte Gelehrte und Künstler um sich.Auf seinem Reichstage, den er 1488 zu Ofen hielt, gab er mehrereGesetze gegen die Zweikämpfe, die Chikane in den Prozessen undmehrere andre Mißbräuche. Er war mit neuen KriegSrüstungengegen die Türken beschäftigt, als er 1490 zu Wien starb. Die Na-tion verlor in ihm ihren größten König. Er hinterließ nur eine»natürlichen Sohn, Johannes Corvinus, der umsonst sich bemühte,seinem Vater auf dem Throne zu folgen. Die Ungarn wählte»unter vielen Bewerbern König Wtadislav VH. von Böhmen.

Matthisson (Friebrich von), wurde 176 r zu Hchendodelebenbei Magdeburg geboren, und nach feines Baters Tode von eine«verwandten Landprediger zu Krakau, einem Dorfe bei Magdeburg,bis in sein vierzehntes Jahr erzogen und unterwiesen. Er besucht!darauf die Schule zu Klcsterbergc, studirte sodann auf der Univer-sität zu Halle Theologie, wurde Lehrer an dem Erziehungsinstitulezu Dessau, nachher Hofmeister einiger jungen Liefländer zu Heidel-berg,'ging auf Reisen, und wurde 1794 zum fürstlich Hessen-Hom-burgischen Hofrathe, sowie igoi zum markgräflich badenschen Le-gationsrathe ernannt. Im I. 1794 wurde er Lector und Reisege-fährte der regierenden Fürstin von Anhalt-Dessau, und befand sich1795 und 96 in Rom und Neapel, 1799 theils im südlichen Tyrol,theils im nördlichen Italien, und r8»r in der französischen Schweiz.Er trat 1309 in die Dienste des Königs von Wirtemberg und lebtgegenwärtig in Stuttgart als Geheimer Legationsrath, Mitgliedder Hoftheater-Oberintendance, Privat-Oberbibliothekar und Rit-ter des Civilverdienstordcns. — Matthisson war als lyrischer Dich-ter eine Zeit lang der Liebling des deutschen Publicums. Ei»«trübe Schwermuth, die er seinen Naturgemählden einzuhauchenwußte, gefiel, da sie in Einklang war mit den dunkeln Gefühle» .der meisten Leser. Die Kritik aber kann aus eben diesem Grundeein nicht gleich vortheilhaftes Urtheil fällen, und höchstens duSorgfalt loben, womit die äußere Form abgeglättet ist. In sei-nen spätern Poesien, z. B. in dem Dianenfest bei Bebenhause»,ist von jener Innigkeit, die seine frühern Werke auszeichnete,kaum eine Spur und an ihre Stelle kalte Förmlichkeit getreten.Auch als Prosaiker ist Matthisson aufgetreten, einmal in seine»Briefen, dann in seinen Erinnerungen. Beide Werke ent-halten interessante Details über die Örter und Gegenden, welcheder Herausgeber theils flüchtig durchzog, theils auf längere Mzu seinem Aufenthalt wählte, und lehrreiche Nachrichten von meh-reren berühmten Männern, die er kennen lernte. Dabei spricht Ballenthalben ein edler Sinn aus. Die Schreibart würde durch E>»'fachheit und Natürlichkeit gewonnen haben. Am wenigsten könnenwir die lyrische Anthologie, welche Matthisson in 20 Bänden her-ausgegeben hat, billigen, indem, abgesehn von der Auswahl unsUnvollständigkeit, hier seine Feile auf eine unzweckmäßige Weist