Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
243
JPEG-Download
 

Melchiten Meleäger 24z

»st Unterhaltung mit den scharfsinnigsten Bemerkungen, und niemand

abki ging ohne Belehrung und Erquickung von ihm. Gern sah er Ge-

chni sellschaft an seinem Tische, und Dürftige fanden bei ihm so reich-

lich« liche Unterstützung, daß er durch seine Freigebigkeit bisweilen selbster- in Verlegenheit kam. Mit einem zuvorkommenden Wohlwollen,,in! das der Grundzug seines Charakters war, umfaßte er überhauptdk- alles, was sich ihm näherte; offen und arglos ließ er überall seinHerz sprechen; Frömmigkeit, edle Einfalt und Unschuld der S-tten,ich Großmuth und Redlichkeit waren ihm so natürlich, daß^s ihm schwer

> wurde, irgend einem Menschen etwas andres zuzutrauen; und viel-

>!>ch fällig getäuscht und gemißbraucht, lernte er erst spät die Ränke und

«lli unedlen Leidenschaften kennen, die sich seinen besten Absichten so oft

di» in den Weg stellten. Aber eben dieser arglose, milde Charakter

W machte ihn zum Gegenstände der innigsten Liebe und Ergebenheit

iri! feiner Zuhörer. Aus allen Gegenden Europa's strömten Studi-

wb rende nach Wittenberg, um sich zu seinen Füßen zu versammeln,

em und der Geist der Gründlichkeit und unbefangnen Forschung,- den

«irr er hier verbreitete, wirkte noch lange nach seinem Tode wohlthätig

im fort. Wenn daher auch gewaltigere Kräfte und größre Thaten ihm

Ä! die erste Stelle unter den berühmten Männern seines Jahrhunderts

ngr . streitig machen, der liebenswürdigste, reinste und gelehrteste wird erhl» in den Augen der gerechten Nachwelt immer bleiben. L.

M « Melchiten, syrisch, Royalisten, hießen ursprünglich im 6tendul und /ten Jahrhundert diejenigen orientalische» Christen, die sich,itz dem Willen des Kaisers gemäß, den Beschlüssen der chalccdonischen

«»- Kirchenversammlung unterwarfen, daher Kaiserlichgesinnte. Später

gu erscheint dieser Name schwankend, wie die Orthodoxie selbst. Neuer-

dings wird er von Reisebeschreibern den Jacobiten in Mesopota-m mien und den mit der römischen Kirche unirten Copten in Ägypten«! beigelegt.

ult Meleäger, ein Sohn des calydonischen Königs Aneus', nacher- Ändern des Mars und der Althäa. Nach der Geburt des Knaben

?»-- kamen die Parcen zur Althäa, und bestimmten sein Schicksal. Clo-

ku tho sagte, er werde großmüthig, Lachejis, er werde tapfer seyn,

ll- und Atropos, er werde nicht eher sterben, als bis der Brand, der

l>«, gerade auf dem Herde lag, verzehrt seyn werde. Althäa nahm so-

ni gleich den Brand aus dem Feuer und hob ihn sorgfältig auf. Me-id« leager zeigte sich bald als Held. Er wohnte dem Argonautenzuge

»r bei, gewann in den vom Acastus angestellten Leichenspielen den

all Preis mit dem Wurfspieße, zeichnete sich aber vorzüglich bei der

calydonischen Jagd aus, zu welcher er die angesehensten Helden-V juaglinge Griechenlands versammelte. Er selbst erlegte den Eber

db und schenkte die Haut desselben, als den vornehmsten Preis, seiner

i« Geliebten Atalanta, welche dem Eber die erste Wunde beigebracht

er, hatte. Dadurch fanden sich die Brüder seiner Mutter, Jdrus,

a» Plexippus und Lynccus, beleidigt, und raubten der nach Arkadien

c ^uikehcfnden Atalanta gewaltsam die Haut. Meleäger, der sie

st, durch Güte nicht bewegen konnte, die Haut zurückzugeben, tödtete» c 3» wüthendem Schmerz über die Ermordung ihrer Brü-

!«, der, ergriff Althäa den verhängn ßvollen Brand, und warf ihn ins? « worauf Meleäger unter fürchterlichen Schmerzen verschied.—

rf- «on Andern wird die Geschichte noch anders erzählt. — Wir be-

iw «den aus dem Alterthume noch zwei treffliche Bildsäulen des Me-

l» leager.— Der Epigrammendichter Meleäger war aus Syrien.

IÜ*