Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
473
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j Moritz (Carl Philipp) 473

Trennung der beiden Ebsleute, Nichts dcstoweniger fühlte Moritzsich jetzt ohne ihren Besitz so unglücklich als möglich, weßwegen eres glich kurz darauf versuchte, seine Gattin wieder mit sich auszu-söhnen. Dies geschah und er hing von neuem mit ganzerSeele.an ihr.. Nachdem er darauf im April 1793 in Gesellschaftdcrfflben seine letzte Reise Nach Dresden gemacht hatte, überfiel ihnkurz nach seiner Zurückkunst eine Unpäßlichkeit, in deren Folge ereinige Tage nachher an einer Lunaeneitenmg, und zwar mit mehrSeelenruhe starb, als man bei seiner Lebenslust von ihm hätte' erwdrten können. Dies ist in einigen allgemeinen Zügen das> äußere Bild eines Mannes, dessen wahrer innrer Charakter seinen^ Zeirgenossen sehr häufig gänzlich unerklärbar gewesen ist, ja selbstöfters einen bedeutenden Anstoß gegeben hat. Ob wir es nun gleichfür eine verwegene, ja für eine nie zu lösende Aufgabe halten, überden Charakter von Personen im Allgemeinen, und besonders über, Naturen, wie Moritz eine war, absprechen zu wollen, wozunämlich allerdings eine gänzlich untrügliche Allwissenheit gehörenwürde, der sich kein Sterblicher zu rühmen vermag; so glauben wires doch wagen zu dürfen, über Moritzen das Urtheil zu fällen, daßer, von früher Jugend auf, ohne Einheit und einen fest ms Augegefaßten Zweck erzogen, niemals zu einer eigentlichen klaren undeinfachen Anschauung seines Lebens gekommen ist und daß aus dieserVerwirrung, in welcher er stets mit sich befangen gewesen, alle jeneInkonsequenzen hervorgehn, welche man so häufig in seinem Lebenbemerkt und durch welche er sein ganzes Leben hindurch so häufigenAnstoß gegeben hat. Dieses Urtheil gilt eben so sehr von Moritzendem Menschen, als von Moritzen dem Schriftsteller. Run wäre,um ein positives Urtheil über Moritzen aufstellen zu können, aller-dings nöthig, zu entscheiden, wie viel von den excentrischen Bizar-rem» seines Wesens auf Rechnung seiner einmal so und nicht andersorganifirten Persönlichkeit, und wie viel auf Rechnung der Reflexionund absichtliche Bezweckung, Aufsehn zu erregen und Ruhm zu erlan-gen, zu schreiben seyn möchte. Auch dürfen wir uns, trotz unsererLiebe zur Unparteilichkeit und Mäßigung im Urtheil, den Aussprucherlauben, daß Meritz sein ganzes Leben hindurch, sittlich genommen,in einer steten Unwahrheit gelebt, sich selten natürlich gezeigr undfast immer den Schauspieler eines fremden Lebens gemacht hat.Daher die schroffe, gezwängte Erscheinung meiner äußern Persönlich-keit, die ft.'ts mit den bürgerlichen Verhältnissen in Streit befangenwar und sich fortwährend von bieten beengt zu seyn wähnte; daherder Haß, den er überhaupt auf die Menschen, besonders aber ausseine eigene Existenz geworfen hatte, und daher endlich die Schroff-heit, durch welche er Bekannten und Unbekannten fast stets unzugäng-! lich wurde. Was seine Schriften anbetrifft; so erlaubt es uns der

I Raum nicht, diese hier sämmtlich anzuführen, und wir muffen uns

, daher begnügen, nur die merkwürdigern derselben namhaft zu machen.Sechs deutsche Gedichte, 1780 (zweite Auflage 1731);Blunt oder der Gast, ein Drama, 1781; Andreas Hart-knopf, «in Roman, 1736; Andreas Hartknopfs Prediger-jahre, 179a (welche beide Schriften, neben seinem Anton Rei-ser, 1783—90, als ein Versuch, sein eignes Leben zu beschreibe»,angesehen werden können); Fragmente aus dem Lagebucheeines Geistersehers, 1736'(welche durch Moritzens Reise nachItalien unterbrochen wurden und auch hernach stets Fragment ge-