Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
565
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. Mysterien Z6z

! phoros, der Träger der heiligen Fackel, er mußte die Einzuweihen-den vorbereiten und reinigen; der Herold, der die Ungeweihte»entfernen lind für Stillschweigen und Ordnung sorgen mußte; end-i lich der Altarwärter, der die übrigen bei ihren Verrichtungenunterstützte. Die Ceremonien waren theils öffentlich, theils geheim.Jene wurden am Tage begangen, und bestanden in Aufzügen, Tän-zen, festlichen Wettspielen; am sechsten Tage wurde die Bildsäuledes Bacchus figürlich von Athen nach Eleusis, und von da zurücknach Athen gebracht, unter Abfinguug eigens dazu verfertigterHymnen und Darbringung von Opfern. Das Volk, unter dessenLugen dieses geschah, nahm daran Theil, und alle Ceremonienwaren gänzlich der Landesreligion gemäß. Die Geheimnisse bestan-den in Symbolen und Unterricht. Jene bezogen sich auf diemythische Geschichte der Ceres und Proserpina, oder auf die Erfin-dung des Ackerbaues; aus den Übergang der Menschen zur Cultur«on dem Stande der Rohhcit. Es wurden auch bei diesem Theileder Feier die Mitglieder der kleinen Mysterien in die großen auf-. genommen, die vorher gewisse Prüfungen bestehen, und sich auf! mannichfaltige Weise reinigen mußten, bis sie endlich in den Dor-hof des Tempels, welcher bis zum Blenden erleuchtet war, einge-^ führt wurden. Hierauf erfolgte dann der Unterricht, der zuerst, in der Erklärung der Symbole und deren Beziehung auf den gesell-schaftlichen und religiösen Zustand der Menschen bestand, und dem-nächst zu dem moralischen oder philosophischen Unterrichte in den! Mysterien überging. Von diesem haben wir keine bestimmten Nach-> richten; doch läßt sich fast mit Gewißheit behaupten, daß richtigereBegriffe von der Gottheit, philosophische Erklärung der Entstehungi der Vielgötterei, vielleicht die Lehre von der Einheit des göttlicheni Wesens selbst, der Hauptinhalt desselben gewesen sind. Es scheint! ferner, daß Unsterblichkeit der Seele und Belohnung oder Strafein einem künftigen Zustande darin gelehrt worden, welches folgendeStellen aus dem Jsokrates, Cicero und Plato, welche sämmtlicheingeweiht waren, deutlich genug beweisen: ,,Die Eingeweihtenhaben fröhlichere Hoffnungen vom Ende des Lebens und der ganze»Ewigkeit." Jsokrates Panegyr. Cap. 6.— „Ich habe aus denMysterien nicht nur die Kunst gelernt, glücklich zu leben, sonder»»uch mit freudigen Hoffnungen zu sterben." Cicero von derEfi. II, rz.. — „Der Zweck der Mysterien ist, die Seele zu ver-vollkommnen, und sie ihrer Bestimmung näher zu bringen." Platoim PhLdon. — So drangen die Mysterien auch bei ihren Mitglie-i öern auf ein reines tadelloses Leben, und machten sie daher besser,

, vuhiger und glücklicher, und es ist unläugbar, daß sie in ihremersten reinern Zustande herrliche und ehrwürdige Institute waren.Indessen geriethen sie bald in Verfall: denn schon um die /oste bisdoste Olympiade wurden in die eleusinischen Mysterien Männer,Weiber, Kinder, ohne Unterschied des Standes und Alters, aufge-nommen, wenn sie die Gebühren bezahlen konnten. Die »on ihnenS> hegten Meinungen und Grundsätze kamen allmählig allgemeiner in^ ümiauf, und durch die ungeheuere Menge der Mitglieder wurde! wr Hauptzweck gänzlich veb-itelt. 2 . Die samothrazischenMysterien stammten aus Creta und Phrygien her, und wurdenmi erster» Lande dem Jupiter zu Ehren gefeiert. Aus diesen Län-vsrn kamen sie zu den Thraziern od:r Pelasgern 'auf der Insel«-»mothrazien, und pflanzten sich von d« weiter in Griechenland