S7r Nachgeburt Nachschlag
deutlamkeit, wodurch der auf dar Gemüth zu bewirkende Eindruckerhöbt oder verstärkt, dem ersten Druck gleichsam ein zweiter hin,zugefügt wird. Daß dies nur in Fällen von Wichtigkeit geschehensolle, springt in die Augen; denn wer wird sich selbst überbieten,wenn er es um den ersten Preis haben kann? Die Mittel, Nach-druck zu bewirken, sind sehr verschieden, allein wir zweifle» nicht,daß alle unter folgende vier Classen zu bringen seyn werden:
Wiederholung, sey es, um nur überhaupt etwas dem Ge-dächtniß tiefer einzuprägen und dem Herzen näher zu legen, oderum die Nevenideen) die sich bei einer Hauptidee aufdrängen, mehrhervorzuheben, wobei sogareincArt von Zergliederung Statt findenkann, wie z. D. in Hamlets berühmtem Monolog: Seyn oder Nicht-seyn;-2. Verstärkung des vorigen Ausdrucks, weil er noch nichtgenugsam angemessen scheint; hieher rechnen wir zugleich die Stei-gerung (Klimax, Gradation); z. Abbrechung, sey es, »m durchbefehlende Kürze zu imponiren, wie z. B. in Birgils Onns ego!oder weil der Redende im Begriff war, etwas Gefährliches zu sa-gen, es aber nur so weit sagt, daß es errathen werden kann. 2nvielen Fällen wird 4. ein Gleich niß (Fabel, Parabel) alle Wir-kungen des Nachdrucks hervorbringen. Lessings Nathan, SchillersFiesko, Götbe's Lasso werden dies jedem zur Genüge beweisen, jDen Nachdruck, welcher durch diese Mittel hervorgebracht wird, §nenne ich den Gedanken-Nachdruck, von welchem noch unter-schieden werden kann der Nachdruck des Tons, welcher dadurchentsteht, daß das Bedeutende des Ausdrucks durch den Accent her-vorgehoben wird, je nach seiner größer» oder geringern Bedeutsam- ikeit. Daß der Nachdruck des Tons aber mit dem Gedanken-Nach- :druck zusammenfallen müsse, versteht sich übrigens von selbst, s» >wie es von selbst in die Augen springt, daß die Musik des Nach- ^drucks so fähig sey als die Poesie. Falsch ist es hingegen, von -i> !
nein Nachdruck in den bildenden Künsten zu reden, die nur des Aus-drucks fäbig sind; die Mimik allein, als eine successiv barste!- 1lende Kunst, theilt diesen Vorzug mit der Musik und Poesie. Die >ganze kehre von dem Nachdruck ist aber eine von denen, worinnoch die irrigsten Meinungen herrschen, weil man Nachdruck theilsmit Ausdruck, theils mit dem verwechselte, was die griechhchenRhetoriker Emphasis nannten. Daß diese aber keineswegs mitdem, was wir Nachdruck nennen, einerlei, sondern höchstens entferntmit ihr verwandt sey, hätte jedem schon die Erklärung QuintilianSzeigen können, der zufolge Emphasis ein Ausdruck ist, der einen ho-her» Sinn bei sich führt als die Worte an sich bezeichnen. Ernimmt zwei Arten derselben an, eine, welche mehr bedeutet als siesagt, und eine andre, die auch etwas bedeutet, was sie nicht sag>-( 1 -isrit. 01. <;. z, 9, 2. 64.) Da die erste Art QimitilianSoffenbar auf einer versteckten Verglcichung beruht, die andre aberauf der Abbrechung, so könnte man allenfalls, diese der dritten,jene der vierten der obigen Classen zurechnen; jedoch nurallenfalls, obsckon es ebr gebräuchlich ist, Emphase für Nach»brück, und emphatisch für nachdrücklich zu nehmen, ää.
Nachgeburt, s. Geburt. ,
Nachschlag wird in der Musik theils der Anhang, welcherdem Triller beigefügt wird, theils diejenige Spielart genannt, b«welcher an eine melodische Hauptvvte eine oder mehrere kleine RS«