694 Nicolai (Chr. Fr.)
der Philosophie, lächerlich zu machen (Berlin unb Stettin 179g.Dieser Angriff ward durch heftige Schriften erwiedert, unter weichendie von Joh. Göttlich Fichte (Fr. Ricolai's Leben undsonderbare Meinungen, herausgegeben v. A. W. Schlegel, Tübingenigni), die heftigste, des Philosophen Fichte aber durchaus unwür.big ist. Arte Nicolai auch in seiner Ansicht von dem Wesen undinnern Gehalte t«r neueren Philosophie, so irrte er sich nicht inder Bestreitung der Anmaßungen und Thorheiten mancher Wortfüh-rer der neueren Schulen. Indeß erwarb er sich unstreitig ein grö-ßeres Verdienst durch seine historischen Forschungen und Samm-lungen, wo er manches Einzelne durch fruchtbare Erörterung auf-klärte, so wie durch seine umfassende, auf Kritik und Geschmacküberhaupt vielfach einwirkende literarischs Thätigkeit. Die könig-liche Akademie der Wissenschaften zu Berlin wählte ihn daher im 3 .issty äü ihrem Mitgliede. Schon im I. 178t hatte ihn die Akade-mie der LHiffenschaften zu München als Mitglied aufgenommen. ImI. tgc>4 ernannte ihn die Akademie der Wissenschaften zu St. Pe-tersburg zu ihrem Corrcspondenten. So ward ihm, dem verdienst-vollen Greise, die Achtung des In - und Auslandes zu Theil. Auchviele seiner Gegner ließen seiner Rechtschaffenheit und guten AbsichtGerechtigkeit wiederfahrcn. Ein so thätig-kräftiges Leben warddurch cine feste Gesundheit unterstützt. Ricolai war fast nie bettlä-gerig gewesen. Doch zerrütteten einst im I. 1791 Schwindel undheftige Gemüthsbewegungen sein Nervensystem so, daß er einigeWochen lang, bei vollem Bewußtseyn, mehrere Phantasmen,wie er selbst die unwillkürlichen Gaukelspiele seiner Einbildungskraftnannte, sah und HLite. Man kann darüber seine in der königlichenAkademie der Wissenschaften gehaltene Vorlesungen in der neuenberliner Monatsschrift nachlese». In seinem 7istcn Jahreverlor er, als Folge eines heftigen Catarrhalsiebers, den Gebrauchdes rechten Auges. Indeß störte nichts so sehr die geistige Thätig-keit und die muntere Lebenskraft des würdigen Greises als das un-glückliche Schicksal seines Vaterlandes. Er sah das Gestirn dessel-ben verbleichen, und erlebte nicht den neuen Aufglanz der zu einerhohen Bestimmung in dem europäischen Gesammtieben wieder er-standenen Monarchie des großen Churfürsten und Friedrichs des Ein-zigen.' Die von ihm eingerichtete und durch ihn in der Geschichtedes menschlichen Geistes, der deutschen Cultur und des höher»Volkslebens der preußischen Ration unvergeßlich gewordene Buchhand-lung blüht fort unter der Leitung seiner Erben. Es ist hier nichtder Ort, alle von Friedrich Nicolai verfaßten oder herausgege-benen Schriften anzuführen. Die wichtigsten haben wir schon ge-nannt. Außer dem verdienen folgende eine kurze Erwähnung. Eh-rengedächtniß des Dichters Ewald Christian v. Kleist,Berl. 1760. Eine gut geschriebene Biographie. — Ehre ngedächt-niß Herrn Thomas Abbt. Berlin und Stettin 17Ü7. — LebenJustus MLsers, Berlin und Stettin 1797, im ersten Theilendervon Ricolai herausgegebnen Vermischten Schriften von I»-stus Msscr. — Gedächtnißschrift auf Johann JacobEngel, Berl, unb Stettin igoö.— Gcdächtnißschrift aufD. Wiih. Abrah. Teller, Berlin und Stettin 1807. Ein lobens-werther Versuch, Volkslieder aus der Dunkelheit zu ziehen, diewahre Naivetät haben, sind die Heiden Jahrgänge seines feynenkleyncn Almanachs Dol schönere echtere ljblicherr