Halberstadt yn
lind lernte daraus etliche Sternbilder, den Lauf der Sonne durchdie Himmelszeichen kennen, und die ungefähre Zeit des Anfgan-ges der Fixsterne finden. Im dreizehnten Jahre endlich , l ihmeine Anweisung, Sonnenuhren zu machen, in die Hände, und erfing nun an, dergleichen selbst zu verfertigen. Dabei mahlte er flei-ßig, bereitete sich selbst Farben und Firnisse, und brachte eS soweit, daß er mit ziemlicher Ähnlichkeit porlrätirte. SiebzehnJahre alt ging er aus die Universität noch Tübingen. Hier be-schäftigte er sich in seinen Mußestunden mit der Verfertigung vonSonnenuhren, Sprachrohren, mit dem Glasschltlifcn und der Au-sammmensehung von Tuben. Ein gleichgesinnter Jugendfreund,Namens Schaudt, wetteiferte mit ihm in diesen Arbeiten. Daihm aber seine Armuth nicht erlaubte, Unterricht in der Mathe-matik zu nehmen, oder sich mathematische Bücher zu kaufen, sounternahm er es, die wölfische« lateinischen und deutschen Lehr-bücher über die verschiedenen Zweige der Mathematik nebst den da»zu gehörigen Figuren zu topiren. So bahnte er sich durch eiser-nen Fleiß einen Weg zu seinem Lieblingsstudium. Um aber auchden Bau einer Taschenuhr, woran- er höchst begierig war, kennenzu lernen, begnügte er steh so lange m'.t Brot und -Wasser, bts erdie zum Ankauf einer Uhr erfoderliche Summe erspart hatte. Ei?zerlegte sie und setzte sie wieder zusammen, bis er ihre Theil»»erstand. Auf diesem Wege ging er mit einer fast beispiellosenBeharrlichkeit fort, und brachte nach und nach Arbeiten zu Stan-ks, die seinem Scharfsinn und seimr Aeschicklichkeit zur größtenH>rc gereichen. Dahin gehört die aroße astronomische Pendeluhr,welch, den kauf der Erde und der übrigen Planeten, so wie derMondes und den übrigen Trabanten mit ihren Excentricitäteadarstellt; die kleine astronomische Setzuhr, welche die Phasen undKnoten des Mondes anzeigt; die allgemeine Äquinoctiai-Sonnen»vhr, welche durch Räderwerk die Minute» mit der Sonnen Decli-nation anzeigt; eine Rechnunasmaschine; eine Wage für Flüssig-keiten u. s. w. Als Theolog war er minder ausgezeichnet. Nach-dem er 1764 Pfarrer zu Onstmettingcn und 1770 zu Kornwesthcimbei Ludwigsvurg gewesen, kam er 1781 in gleicher Eigenschaft nachEchterdingen, wo er 1790 starb. Seine theologischen Schriften,die mit mystischen Ideen angefüllt sind, sieben in keinem beson-dern Ansetzn.
*Halberstadt, eine preußische Stadt in der Provinz Sach-sen, im halberstädtischen Kreise, vierte Militärabthcilung, mitiZ, 7 oc> Einwohnern, liegt, altmodisch und unregelmäßig erbaut,am Flüßchen Holzemnie. über die izoo Wobngebäude und 16Kirchen der Stadt ragt majestätisch die dem heil. Stephan ge-widmete Domkirche hervor. Noch in dieses Jahrhunderts Anfang«fand man in der lutherischen Stadt drei Mönchs- und zwei Non-nenklöster, und aus den Zeiten des ehemals reichen Klostersegentschreiben sich noch her die Dom-, lie Martins- und die J o-hann isschule. Die Stifter übten Gerichtsbarkeit über all»auf ihrer Freiheit stehende Häuser; sogar die dort angesiedeltefranzösische Calvine hatte ihren eigenen Richter. In HalberstadtSälteste Geschichte gehören die Fehden seiner Bischöfe mit HerzogPEln rich dem Löwen, welcher die Stadt im Jahr 1779 ein-äscherte. Doch erstand sie bald aus ihrem Schütte, wurde mitMauern und Gräben umgeben, und «rhielt näch »inander wegen