Medicin^ roiz
bens und dessen Äußerungen an einem Individuum, und die Kunst,dasselbe in seinem vollkommensten Lebenszustande (der Gesundheit)zu erhalten, oder in denselben zurückzuführen. — Es ist nothwen-dig, die doppelte Seite der Medicin anzuerkennen, daß sie näm-lich Wissenschaft und Kunst sev, als welche neben einander undmit wechselseitigem Einflüsse auf einander bestehen, von denen aberweder die eine, noch die andere eine absolute Herrschaft über dieandre ausüben darf. Nur in so fern überhaupt die Intelligenzvor der praktischen Seite sich das Primat zueignet, in sofern irgend einige Vorstellungen den Handlungen vorausgehenmüssen, kann gesagt werden, daß die Kunst von der Wissen-schaft abhänge. Aber auch die Kunstseite der Medicin hatauf die wissenschaftliche keinen geringen Einfluß. Erfahrungenvon glücklichen und unglücklichen Euren haben nicht seltendie Ansicht von dieser und jener Krankheit nickt nur verändert,sondern auch, wenn sie zahlreicher wurden, auf das Ganze derWissenschaft bestimmt genug eingewirkt, und es müssen ja diese im-! wer erst die Probe für die Richtigkeit des Gedachten abgeben. Nc-! den einander besteht daher die Wissenschaft und Kunst, imd stehenl doch die Geisteskräfte selbst neben einander, keine beherrscht die an-dere, nur ein wechselseitiger Einfluß ist unverkennbar. — Vielfältigsind Zweifel dagegen erhoben worden, daß die Medicin eine Wissen-> schafr und Kunst sey und man hat diese Bezeichnungen zu arrogantgefunden, ja es haben einige daran gezweifelt, daß sie je derselbenwürdig werden könne. Und wer könnte es läugnen, daß die Ideel der Wissenschaft in der Medicin noch nicht ganz erreicht sey? Wievielfältig sind noch die Widersprüche über ein Princip derselben!wie viel fehlt uns auch in den einzelnen Meilen noch! wie oftwird etwas als Ursache angesehen, wovon die folgende Zeit undwiederholte Beobachtung lehrt, daß es nur zufällig der in Fragestehenden Erscheinung vorherging! und es werden ja fort und fortneue Erscheinungen entdeckt, die alle schon bekannt seyn müßten,wenn das Ideal der Wissenschaft erreicht wäre. Ähnlich verhält essich auch mit den Kunstübungen; oft sinkt das Handeln selbst desbesten Arztes zu einem bloß empirischen Nachahmen herab; häufigerhoch ist die Kunst in ihren Wirkungen beschränkt, nicht alle Krankesind zu retten, viele sterben, noch oder bleiben ungeheilt, die anÜbeln leiden, deren absolute Unheilbarkeit nicht angenommen wer-ben kann; und ungewiß ist die Erreichung des Hunstzweckes bei-nahe in jedem einzelnen Falle. Kann doch ein einfaches Ka-tarrhalsieber trotz der zweckmäßigsten Gegenanstaltcn in ein zerstö-rendes Übel sich verwandeln. Gränzen hat daher die ärztlicheKunst und Wissenschaft; aber welches menschliche Werk hat sienicht? Und wäre es auch zu bezweifeln, daß die Medicin je einevollkommne Wissenschaft und Kunst werden möchte, weil immer dieWünsche und Ideale höher stehen, als die Wirklichkeit und dasErreichte; so kann man es doch nicht wissen^ ww nahe sie dem Idealeeinst kommen kann. Denn wer will sagen, wie weit die Kräftedes Menschen reichen? wer hat sie gemessen, wer gewogen ? -— Undwünschen und hoffen soll man die Erreichung dieses, so wie jederIdeals, das stärkt die Kräfte und erregt sie aufs neue, wenn sie er-schlaffen. Aber auch das, was wir bis jetzt in der Medicin erkannthaben, ist des Namens einer Wissenschaft wohl schon werth; nichtminder würde der Arzt, der sich für keinen Künstler hält, oder, daß