' Medicin
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erschien, das wird für die Kunst Ideal, und sie bemüht sich, sel-biges zu verwirklichen; ihr Zweck ist es, wie wir oben sagten, dasLeben in seinem vollkommensten Zustande, in der Äußerungswcise,die uns die beste, die wünschenswertheste zu seyn scheint, zu erhal.ten oder in dieselbe zurückzuführen. Allerdings handeln wirganz in menschlicher Subjectivität befangen, wenn wir die Ideevon größerer oder geringerer Vollkommenheit auf das Leben undseine Zustände übertragen, auf das Leben, das sich eigentlich immerauf gleich vollkommene Weise äußert. Allein es kann der Menschaus dieser Schranke nicht heraus, und so genüge es hier, sie ange-deutet zu haben. — Soll diele Zusammensetzung von Wissenschaftund Kunst, die wir in der Medicin wahrnehmen, in einiger Voll-kommenheit auch beim Einzelnen ausgebildet werden, so müssen alleGeisteskräfte, welche auf Erkenntniß wirken, in Thätigkeit gesetztwerden, und wer hiervon eine ausschließen will, der thut dasselbe,was derjenige thut, der sich entweder die Ohren oder die Nase ver-stopft und doch glaubt, er könne noch von allen sinnlichen Merk-malen Notiz haben. Zuerst aber tritt die sinnliche Thätig-keit auf, und bemerkt eine zahllose Menge bunt sich durchkreuzen-der Gegenstände der mannichfaltigsten Art. Sir sollen aber nichtbei einer bloßen Wahrnehmung stehen bleiben, sie sollen die Le-obachtung begründen, welche dann entsteht, wenn der Verstand dieAufmerksamkeit der Sinne fesselt und ihr eine bestimmte Richtunggibt. Hier tritt Freiheit und Willkür schon in den Sinnen hervor,die bei der Wahrnehmung nicht bemerkt wird. Wer es beachtet,der sucht Erscheinungen, vermuthet in denselben schon etwas Höhe-res, und strebt die Verbindung von Erscheinungen nachzuweisen.Die Beobachtung ist auch als die wahre Grundlage der Medicinanzusehen, die fort und fort die Kunst und Wissenschaft bereichert,wenn sie von der rechten Art, d. h. wenn sie vernünftig ist, wennnicht irgend eine vorgefaßte Meinung den Blick trübt oder seineRichtung allzufest bestimmt. Wer dahin kommt zu sehen, was erwill,,— ein Fehler, in welchen man gar leicht verfallen kann —der ist für die Beobachtung verloren, und treibt sich ohne Stand-punkt in der Luft herum. — Sind eine Menge von Beobachtun-gen gesammelt und angehäuft, dann begnügt sich der Verstand nichtwehr mit dem bloßen Einflüsse auf die Beobachtung, er sucht Ord-nung in diese Mannichfaltigkcit zu bringen, bildet allgemeine Be-greife, und wendet sie auf d>e beobachteten Erscheinungen wiederan; er wagt es, für die Erscheinungen Gesetze aufzustellen, nachdenen sie sich richten sollen. Abstraktion und Reflexion erhebenihr Haupt, und sind auch in der Medicin willkommen, erzeuge»Klarheit, Bestimmtheit und Ordnung, und wirken wohlthätig aufwe Beobachtung ein, die von ihnen immer aufs neue erregt wird,Es überschreitet aber der Verstand seine Schranken, wenn irgendrrner der abstrakten Begriffe zur Erklärung des Ganzen gebrauchtwird; woraus Einseitigkeit entsteht. Denn es ist die höchste Ein-heit, die alle Seiten in sich faßt, nicht Eigenthum des Verstandes,und es werden nun die Erscheinungen entweder in das Princip hin-ewgezwängt oder als nicht cxistircnd ganz mit Stillschweigen über,gangen; die Wissenschaft selbst erstarrt in der Form und ihr Prin,klp ist nur in der Willkür gegründet. Aber auch die Vernunftwacht ihre Rechte geltend, und sie weisst zuerst den Verstand i«lerne Schranken zurück. Aus der Vernunft entspringe» die Ideen,