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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS.

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Wilhelm Herschel aus Hannover, den seine Laufbahn alsTonkiinstler um die Mitte des vorigen Jahrhunderts nach Englandführte, erhielt durch die Fürsprache des Lord Durham dort inseinem Fache eine ziemlich lucrative Anstellung, die ihm noch soviele freie Stunden gewährte, dass er an seine weitere Ausbildungin Sprachen und in der Mathematik denken konnte. Diese letztereführte ihn zur Optik, die ihm später diejenigen Kenntnisse liefernsollte, welche ihm zu seinen weiteren wissenschaftlichen Unter-nehmungen nötliig waren.

Ein einfaches Spiegelteleskop von 2 Fuss Focallänge kam imJahre 1771 während seines Aufenthalts in Bath zufällig in seineHände. Obgleich dasselbe ziemlich unvollkommen war, so zeigtees ihm dennoch am Himmel eine sehr grosse Anzahl Sterne, diedas freie Auge nicht wahrnimmt, herrliche Sterngruppen stelltensich ihm dar und erfüllten ihn mit der reichsten Einbildung.Herschel wurde durch diesen Anblick von einer seltenen Be-geisterung ergriffen, er wünschte sich ein solches Teleskop, abervon grösseren Dimensionen, anzuschaffen und schrieb deshalb nachLondon. Doch die Antwort von dort liess einige Tage, die für ihnzu Jahrhunderten wurden, auf sich warten. Als endlich dieselbeanlangte, sah er mit Erstaunen, dass der dafür verlangte Preis diepecuniären Hilfsmittel eines Organisten, welches Amt er damalsin Bath bekleidete, weit übersteige. Für jeden andern wäredieses genügend gewesen, die für die Sternkunde gefühlte Be-geisterung zu hemmen und zu vernichten, aber eben dieses un.übersteigliclie Hinderniss bildete im Gegentheil in ihm einen neuenUnternehmungsgeist, denn da er nicht ein solches Teleskop zukaufen im Stande war, beschloss er sich selbst ein solches anzu-fertigen. Er fing an neben seinen musikalischen Berufspfiichtensich mit einer Menge Versuche über die metallischen Mischungen,die am besten das Licht zurückwerfen, zu beschäftigen, hierzukamen noch andere, wie über die Mittel, dem Spiegel die nöthigeparabolische Gestalt zu geben, über die Ursachen, welche währenddes Verfahrens der Politur die Regelmässigkeit der Gestalt desSpiegels ändern, und einige andere hierzu gehörende Kunstgriffe.Eine so seltene Ausdauer erhielt endlich ihre Belohnung, denn imJahre 1774 hatte Herschel das Glück den Himmel mit einemNewtonschen Spiegelteleskop von 5 Fuss Focallänge, das ganz vonihm allein verfertigt Avar, zu betrachten. Der glänzende Erfolg er-muthigte ihn zu neuen schwierigeren Unternehmungen, denn die Aus-führung von Teleskopen, die 7, 8,10 und selbst 20 Fuss Focallängeenthielten, waren für ihn noch belohnender und krönten unverhofft