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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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BEDECKUNGEN DER VENUS VOM MONDE.

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doch war sie bereits weit hinter ihrer Glanzepoche des grösstenLichtes, die damals sich den 15. März 1715 ereignete, wenn mansich der Lambertsehen Formel bedient. Nach der Theorie vonKies ergiebt sich für diese Epoche der 20. März, also ist siedamals 100 Tage oder beinahe 15 Wochen^nach derselben in einemsehr hellen Glanze gesehen worden. Der Mond bildete in der-selben Zeit eine schmale Sichel, denn nach 2y ä Tagen trat derNeumond ein und Venus war Morgenstern.

Die zweite Erscheinung fand statt den 27. Juli 1753, aber obgleich2 Tage nachher die Epoche des grössten Lichtes war, nämlich der29. Juli, so war doch kein heller Glanz dieses Planeten bemerkbar,die Pariser sprachen bei dem Anblicke dieser seltenen Erscheinungnicht von nahe bevorstehenden wunderbaren Ereignissen, denn auchan diesem Tage war die Mondsichel noch schmaler als bei der frühemBedeckung, denn nach 2 Tagen ereignete sich der Neumond.

Wahrscheinlich war der Grund dieser geringen Helligkeit derVenus darin zu suchen, dass der Trabant dieses Planeten, währender vor demselben sich befand, uns seine dunkele Seite zuwendeteund es fand dieselbe Erscheinung statt, die Kepler zuerst beob-achtete und die wir Seite 118 bereits erwähnten. Venus war wäh-rend dieser Verfinsterung dunkeier und blieb es bis zu Ende der-selben. Es bleibt nur zu wünschen, dass die Dauer der jedesmaligenBedeckung dieses Planeten vom Monde wäre genau mitgetheiltworden, bei der letzten des. vorigen Jahrhunderts betrug sie nachden Beobachtungen in Gotha 59 Min. 35 Sec.

Sucht man aus diesen beiden Erscheinungen eine mittlerePeriode, so ist dieselbe mit den bereits vorher gefundenen genauübereinstimmend, wie sich aus Folgendem ergiebt. Man wird dem-nach nicht in Abrede stellen, dass die beiden Venusbedeckungenmit dem auffallenden Lichtglanze dieses Planeten im Zusammen-hänge stehen.

Beobachtungen

Zeitintervalle inTagen

Revolutionen

Periode in Tagen

1753 1715

13 908

1143

12-1679

Die Herleitung des damals gesehenen aphroditocentrischenOrtes des Satelliten, vorausgesetzt, dass er vor der Venusscheibesich befand, ergiebt für beide Erscheinungen eine seltene Ueber-