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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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133
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VORÜBERGÄNGE DER VENUS VOR DER SONNE. 133

Eine sehr treffende Erklärung dieser Erscheinung theilt derDirector der Münchener Sternwarte, Lamont, in seiner Astronomiemit, denn er sagt Seite 160 in derselben: „Nach meiner Ansichthaben die hellen Punkte bei totalen wie bei ringförmigen Finster-nissen dieselbe Entstehungsweise, sie sind stark beleuchtete Stellendes Mondrandes, von welchen ein Lichtkegel hinausgeht. Fragtman, wie es kommen kann, dass einzelne Punkte des Mondrandes,während sie von den Sonnenstrahlen in gerader Linie nicht er-reicht werden, dennoch beleuchtet erscheinen, so bemerke ich,dass man eine zweifache Reflexion voraussetzen muss. Ich stellemir vor, dass das Sonnenlicht von rückwärts durch die Thälergegen den Mondrand hereinkommt, und sowohl die Seiten derThäler als die hervorragenden Bergspitzen erleuchtet. Von denso direct beleuchteten Punkten (die wir begreiflicher Weise nichtsehen können) wird das Licht weiter auf andere geworfen, die unssichtbar sind. Dies setzt eine besondere Lage der Berge undThäler voraus, deshalb zeigt sich die Erscheinung auch nur aneinzelnen Oertern; es setzt ferner eine starke Reflexionskraft derMondsoberfläche oder wenigstens einzelner Theile derselben vor-aus, was ganz mit sonst bekannten Thatsachen übereinstimmt.“ •

Während der beiden letzten Vorübergänge der Venus vor derSonnenscheibe von 1761 und 1769 ist eine Erscheinung bemerktworden, die ähnlich jener soeben erwähnten ist, doch machte sichhier der Unterschied bemerkbar, dass statt der erwähnten Licht-punkte ein schwarzer Streifen sichtbar wurde. Ausserdem wurdedieselbe entweder nur beim Eintritte oder beim Austritte derVenus beobachtet.

Ging nämlich der Planet über den Sonnenrand in die Sonne,so verband sich der hinter ihm frei gewordene leuchtende Theilderselben nicht sogleich mit jenem, sondern nach einigen Augen-blicken entstand ein schwarzer Streifen, der den Theil des Randesmit der Venus verband. Der Planet ei'hielt dadurch eine irre-guläre Figur, namentlich nach der Seite dieses Streifens; einigeBeobachter verglichen diese Gestalt desselben mit einer Birne,deren bildliche Bezeichnung sehr treffend eine Idee der sonder-baren Erscheinung verleiht.

Nach dem Berichte, den Pingre von der Beobachtung desAustrittes von 1761 veröffentlichte, sagt derselbe: „Bei dem Aus-tritte der Venus im Jahre 1761, noch ehe die Ränder sich berühr-ten und wo ein merklicher Zwischenraum noch sichtbar war, sahich einen schwarzen Streifen von der Venus sich ausdehnen undden Sonnenrand erreichen; diesen Augenblick nahm ich für die