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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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139
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VORÜBERGÄNGE DER VENUS VOR DER SONNE. 139

ging, so wurde er bei seinem zweiten Austritte über den Rand derVenus auf der Sonnensclieibe von den Beobachtern nicht bemerkt.Er hätte von denjenigen Astronomen gesehen werden können, dieim hohen Norden den ganzen Vorübergang beobachten konnten.Dieselben haben sich aber 2 Stunden nach der Beobachtung desEintritts wahrscheinlich nicht weiter umgesehen, ob unter derVenus noch irgend etwas sichtbar sein konnte. Uebrigens ist hiernoch bemerkenswerth, dass dieselben die erste innere Berührung zufrüh beobachtet haben, und zwar Hell in Wardshoe um 14 Se-cunden und PI an man in Cajanneburg um 20 Secunden. Dennstellen wir uns vor, dass durch die Superposition der Venus undihres Mondes nach der Seite des Sonnenrandes diejenige derVenus eine andere Krümmung erhielt, so musste die erste innereBerührung natürlich früher beobachtet werden und P. Hell undPlanman würden gerechtfertigt werden können vor dem Vor-wurfe einer ungenauen Beobachtung dieser ersten innern Berüh-rung *).

Der Satellit legte darauf den kleinen Tlieil vom südlichenRande der Venus bis zum nächsten Sonnenrande unbemerkt in seinemLauf zurück und trat viel früher als die zweite innere Berührungerfolgte über diesen zweiten Rand hinaus, folglich wurde er un-sichtbar. Auf diese Weise nur ist die Erscheinung, die währendder Vorübergänge sichtbar wurde, zu erklären und die Berechnungnach der mittlern Bewegung des Venusmondes ist hiervon nichtabweichend.

Bald nach der Beobachtung des letzten Vorüberganges er-schien eine Nachricht, von einem gewissen Abraham Scheutenin Crefeld, derselbe wollte den 6. Juni 1761 diesen vermeintlichenTrabanten drei Stunden lang in der Sonne gesehen haben undzwar so distinct und rund wie die Venus. Derselbe hat aber,wenn es wirklich eine astronomische Beobachtung war, einenkleinen runden Sonnenflecken, wie solche sehr häufig auf derSonne erscheinen, für den Trabanten gehalten, denn es stimmenseine angeblichen Wahrnehmungen nicht mit den BeobachtungenMontaignes vom Monate Mai 1761. Zur bessern Uebersichttheilen wir die Stelle aus seinem Briefe mit, den er an Lambertin Berlin richtete.

*) Siehe mein WerkUebei- den Vorübergang von 1874 vom 9. Decem-ber S. 135.