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Nachdem Pfeiler und Widerlager die Höhe der Straße erreicht hatten, wurde ein Gerüst von 43 Fuß Höheaufgerichtet, welches vermittelst eines Sprengwerkes das Widerlager übersetzte. Dieses Bahngerüst erhielt in der Richtungder Brückenachse eiserne Schienen, auf welchen sich ein Wagen mit verzahnten Balken bewegte. Auf letzterm war einbeweglicher Krähn angebracht, so daß vermittelst der doppelten Bewegung, welche sich durch den Wagen und denKrähn bewerkstelligen ließ, die Quader und übrigen Baumaterialien an Ort und Stelle gebracht werden konnten, wosie verwendet oder versetzt werden mußten. Anfänglich getrauten sich nur wenige Arbeiter gegen erhöhten Lohn aufdem hohen schwindlichtcn Gerüste zu verweilen, während sie später bei Herstellung des großen Bogens willig, ja selbstgerne auf einem zweimal so hohen, unmittelbar über der Aare befindlichen, ganz gleichartigen Gerüste arbeiteten.Obschon sich beim Bau mehrere Unglücksfälle ereigneten, so verunglückte doch kein einziger Arbeiter auf diesen hohen,anscheinend gefährlichen Maschinengerüsten; dagegen geschahen alle Unglücksfälle an Stellen, wo gar keine Gefahrvorhanden schien. Es zeigte sich Hiebei offenbar, daß für den Arbeiter die größte Gefahr in seiner Unachtsamkeit bestehe.

Dieses Gerüst förderte den Hochbau des Widerlagers ungemein, so daß dasselbe im Laufe des Oktobers bis zurGesimsschicht des linken Seitenbogenö vollendet werden konnte, wiewohl das Gerüst erst den 19. August vollendetworden war. In den Monaten Juni und Juli ging der Grundbau des Widerlagers sehr langsam von statten, weildie betreffenden Arbeiten aus Mangel an Granit und Solothurnerquadern häufig theilweise oder ganz eingestellt werdenmußten. Da jedoch der Hochbau des Widerlagers bloß Sandsteinquader forderte, so hatte der Bau dort nach Herstellungdes Gelüstes seinen ungehinderten Fortgang. Ueber die Kosten des Mauerwerks an diesem Widerlager wurde vom24. August bis den 1. Oktober folgende Erfahrung gemacht. In diesem Zeitraum wurden mit Hülfe obiger Maschinen27,155 Kubikfuß Mauerwerk fast sämmtlich aus Quadern hergestellt, das Material war für die Stirnen sein bearbeitet,im Innern bloß rauh zugerichtet, es mußte auf eine Entfernung von 400700 Fuß zugeführt und auf eine Höhevon 1434 Fuß ausgezogen werden. Hiezu wurden verwendet:

441 Steinhauerschichten ......

s 16

Btzn.

Frkn.

705. 60

Rpn.

271?/^ Maurerschichten ......

3 17

461. 97

kl

6 I 7 H /4 Handlangerschichten (für den Transport der Steine,

Bedienung

der Maschinen,*Pslastermachen rc.)

3 10

617. 25

kk

55'/2 doppelte Züge (2 Pferde) ....

3 45

249. 75

s,

33 Schichten eines Aufsehers ....

.

k,

66.

kk

Maschinengerüst, Werkzeug rc. 1 kr. pr. Kubikfuß

.

k,

678. 90

kf

Frkn.

2779. 47

Rpn.

somit durchschnittlich 1 Btzn. oder 4 kr. pr. Kubikfuß, wozu jedoch noch der Werth des Mörtels, so wie der UnterhaltdeS Werkzeugs für die Steinhauer gerechnet werden muß.

Sobald auf dem linken Ufer Pfeiler und Widerlager dem Andrang des Wassers entzogen waren, so wendeteman die Aufmerksamkeit ganz besonders auf das rechte Ufer, wo nicht bloß der Pfeiler des Hauptbogens vollendet,sondern wo möglich im Laufe dieses Jahres auch der Seitenbogen geschlossen werden sollte, indem der Unternehmerdas gleiche Bogengerüst im folgenden Jahre für den linken Seitenbogen zu verwenden gedachte. Schon im Winter von18401841 wurde der Felsen für das linke Widerlager des rechten Seitcnbogens stufenförmig abgeebnet, was keineSchwierigkeit darbot, weil derselbe an diesen Stellen meistens abgedeckt zu Tage lag. Dagegen befand sich aus der Stelle,wo das rechte Widerlager dieses Bogens gegründet werden sollte, eine Schicht aufgeschütteter Erde von 3040 FußHöhe, welche gegen den Fluß durch eine Stütz- oder Futtermauer gehalten wurde. Diese Aufschüttung war in frühernZeiten zum Behufe der Herstellung eines Gottesackers vorgenommen worden und zwar, wie es scheint, nicht in einemMal, sondern in verschiedenen Perioden, da man drei Lagen Särge in verschiedener Höhe bemerkte. Da es ziemlichkostspielig gewesen wäre, die für das Widerlager, so wie für die neu herzustellenden Futtcrmauern zu entfernende Erdeauf eine namhafte Höhe zu heben, so zog man es vor, die Ausgrabung auf der Brückenachsc vom linken gegen dasrechte Widerlager in der Tiefe des Felsens zu bewerkstelligen, wodurch allerdings eine beträchtliche Erdmasse zwischenden beiden Widerlagern oder unter der Lichtweite des Bogens umsonst beseitigt, dagegen aber der doppelte Vortheilerhalten wurde, die Erde durch Untergrabung zu lockern und den Transport auf horizontaler Ebene vornehmen zukönnen. Für die beiden Widerlager, so wie für die hierseitigen Futtermauern und einen Abzugkanal wurden lautSituationsetat vom Jahre 1842 nicht weniger als 417,474 Kubikfuß Erde und 10,090 Kubikfuß Felsen hinweggeschafft.Die Erde wurde mit Ausnahme eines Quantums, welches für die spätere Aufdämmung bei Seite gelegt wurde, sowie derjenigen, welche allmälig während des Baues zur Verebnung der Fundamentgruben verwendet wurde, in dieAare gestoßen, von wo sie größtentheils, jedoch nicht vollständig, vom Flusse weggeschwemmt wurde. Bei diesenErdarbeiten verunglückte ein Arbeiter durch Unvorsichtigkeit beim Herabstürzen eines Stückes Lehm.

Schon in der ersten Hälfte des Mai wurde das Mauerwerk am linken Pfeiler des rechten Seitcnbogens angefangenund auf die Dicke von 16 Fuß von Ralliger Bruchsteinen, der übrige Theil der Dicke aber von Sandsteinquadernaufgeführt. Hiezu wurde ein Radzug, wie dieselben in Bern üblich sind, verwendet (Tafel III). Zum Mauerwerk mitRalliger Bruchsteinen nahm man hydraulischen Mörtel zweiter Qualität, für dasjenige aus Sandsteinquadern gewöhnlichenfetten Mörtel. Ende Juni war das linke Widerlager des rechten Seitcnbogens bis auf die Höhe des Soleis vollendet,und da gleichzeitig der Felsen für das rechte Widerlager dieses Bogens abgeebnet war, so wurde das Fundamcntgemäuerfür letzteres gleichfalls von Ralliger Bruchsteinen, so wie auch die Fundamente für die Futtermauern mit blauenSandsteinquadern begonnen. Bis Ende September waren beide Widerlager bis zum Anfang des Bogens vollständig

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