Band 
Volumen primum.
Seite
77
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Prooemium. 77

Chaos geschaffen, so ist schon nicht mehr müglich, das mehr solida regu-laria seyen, dann fünfte, wie solchs die Geometrae beweisen.

So dann nun sonst der Mathematicorum Gebrauch, mit dergleichen newenInventionibus alwegen zum ersten fürstliche Personen zu begriessen, näm-lich dieweil sie mit mehrerem und besserm Ire underthönige Zunaigung gegenInen zu bezeügen nicht vermögen; Als hab Ich für einen Wolstand und Bil-ligkeit gehalten, E. F. G. zu schuldiger Dankbarkeit in gegenwertigem Mu-ster, ehegemeltes Ebenbild der Erschaffung zum ersten under allen Menschen,in massen Ich versprochen, in Underthönigkeit zu praesentirn, deren under-thönigen Bitt, E. F. G. wollen mein Gehorsam genaigt Gemüth, auch dieWürdigkeit der Materi vil mehr als des Musters Unbeschaffenheit ansehen.Dieweil auch nun mehr dem fürnemisten Intent meiner anfangs gemeldenSupplication mit Ueberreichung dises Musters schon genug beschehen, soligt mir nichts mehr daran, wie es E. F. G. weitter mit disem Musterschaffen, ob Die wollen einen so grossen Becher mit den siben Ziehzapfenhaben, oder gar verbleiben lassen. Da aber E. F. G. ein Kunststuck zumachen oder das Werck in einer köstlichem Materi und mehr wehrhafftenForm, als das Papir ist, zu sehen gesinnet Weren (wie es dann in einemMetall vil gewisser, subtiler und schöner, auch kleiner zu wercken were)bin ich einem Werckmaister die quantitates laterum et diametrorum schrift-lich, wie auch die verborgene tubulos und Verladung zu einem Becher,augenscheinlich anzugeben schuldig und genaigt. Warüber E. F. G. gnä-diger Resolution und Gefallens Ich mit underthönigem verlangen gewärtigbin. Hiemit E. F. G. mich gehorsamblich bevelhend. Actum Stuttgart.E. F. G. Underthönig Gehorsamer

M. J. Kepler , E. Ersamen Landt.in Steür Mathematicus.

In Margine : M. Michael Maestlinus soll hierüber unserm gnedigen Fürsten vnd Herrn <fcc.sein judicium vnd Bedencken mit widersendung diser Beylage fürderlich zuschicken. ActumStutgartt d. 1. (11.) Martij a. 96. Ex Commissione Dnj. Ducis.

Maestlinus biennio post haec de Kepleri opere principi retulit :

Nachdem E. F. G. verschiener Zeit das new opus Astronomicum M. J. Kepleri gnädigmir zugeschicket, mich darinnen, soweit es gebracht worden, zu ersehen, und wie weiter da-mit zu procediren, mein underthänig Bedencken anzuzaigen gnädig bevolhen. Hierauff sollE. F. G. Ich underthänig nit verhalten, das in Betrachtung, dass das original Inventum diswercks, nemlich naturalis Sphaerarum mundi proportio a priori demonstrata, wol mag nebenanderen fürnemen und berümten inventis in denen Mathematicis gesetzet werden, deswegen auchE. F. G. darob so gnädiges Gefallen hat und darzu alle Kosten 'als zu einem sondern Kunst-stück wollen gnädig vorstrecken, ich dessen ine M. Keplerum mit erstem berichtet hab, auchseidher etliche schreiben dises werck betreffend gegen einander gewechselt, welcherwegensonderlich als wegen der ferne der ort und Ungelegenheit der Botschaft ich dis Bedenckenhab bis auf Gelegenheit seiner M. Kepleri Antwort, so vor wenig Tagen eingekommen, aus-stellen müssen. Verneine also von ime, das er sich nit wenig bekümmert, erstlich dasdis werck nit in seiner Gegenwart über und wider sein vilfälig treiben, anmahnen undbeklagen, ob er wol ein zimliche Zeit zu Stutgart verharret, hat mügen zu end gebrachtwerden. Darnach das die Kugel, welche noch allein (ein weniges anders) gemachet, unddie eisserste circumferenz solle werden, nimis rudi forma dem künfftigen werck villeicht einschlechten schein und ansehen schöpffen möcht, sintemal an der Runde unzäliche Unvoll-kummenheit erscheinet, an der Sterne Grösse und Unterschied ein merkliches mangle, auchdie imagines Asterismorum wol hätten können und sollen zierlicher gestochen werden. Des-gleichen das in den kleineren circulis 11° für 10 gestochen seynd worden, und welches allesich auch in rei veritate befinde, wie aber nun solch Defect zu verbessern wer, gar nit sehe,dann die Kugel nit also geschaffen, das dis alles köndte ausgetriben und verschlagenund dan von newem gestochen werden, welches doch zu geschehen wol notwendig wäre,