Band 
Volumen primum.
Seite
81
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Prooemium.

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stand haben, als hett ich an der ersten angebung verzagt, oder geirret,sintemal ichs zuvor in papir gebracht, und dem Goldschmid für Augen ge-steh, vnd Was an dem papirenen Muster zu ändern gewest, auff under-schidliehe Kugel gerissen, in einen Bericht verfasset, vnd entlieh mit ver-ständiger Leutt Kuntschafft, das es alles Wol zu machen sey, mich versehen :dergestalt, das Ich verhoffe, wan es alles meinem angeben nach verfertigetworden wäre , es solte dasselbige von einem Jeden, der Copernici meinungbeyfalt, nicht ohne besondere Lust zu sehen gewest seyn, wie auch vonmeniglichen wegen der Zierd.

Hierzwischen aber Weiln Ich Raum bekommen, mich zu besinnen, habIch mir folgende Gedankhen geschöpffet: und betrachtet, erstlich das IreKürstl. Gnaden sollich Werckh in dero Kunstkammer haben wollen; 2) dasein zimlicher costen darauff lauffen werde; 3) das deren, so dem Copernicobeyfallen, nicht gar vil, vnd gmeinglich nur hin vnd her zerstrewete ma-thematici seynd; 4) das man villeicht noch vil lange Jahr zuebringen werde,biss diese widersinnige meinung in die Gelehrten zu bringen. Dan dieweiloffenbar ist, das man für Zweytausend Jahren die Astronomiam auff Coper-nicanische art gelehret, vnd aber solliche artt hernach underlassen worden,als Inen die Peripatetici fälschlich eingebildet, als wäre sie der Yernunfftzuwider: Hab ich mir die raittung gemacht, Wan Copernicus einen Beyfalldes grossen Hauffens zu hoffen hette, würde solliche seine meinung vilmehrvor so vilen Jahren im heidenthumb herfürgeefrungen sein, und in den schue-len den sieg behalten haben. Weiln dan nun nicht zu hoffen, das Irer sehrvil in Irer Fürstl. Gnaden Kunstkammer khommen werden, die dem Coper-nico beyfallen, so muess folgen, das die Spectatores vnd besichtiger dasInnere Werkh für nichts anders, als für die 5 Geometrische Corpora an-selien, vnd vermeynen werden, es sey unvonnötten gewest, das man dencosten drauff wende. Demnach auch Ich die parerga auss heiliger schlifft,nämlich die Kleinoter vnd Bildnussen, nur allein darumb angegeben, dasdas W T erckh bey den Unverständigen desto bessers ansehen habe, wie auchdie eüssere silberne ganze kugel darumb, das das Werkh auch einen nutzenin erlehrnung der gmeinen astronomia habe: vnd aber verstanden, das dieKugel vbel gestochen, darausser auch abgenommen, das die Innere Zier-licheitt vil weniger künstlich möchte verfertiget werden: daher hernach mirals dem angeber zwifaltiger spot begegnen möchte : Hab Ich mich bedacht,Wie der kosten, so auff die parerga lauffen möchte, auff ein mehr füeglichvnd bei meniglichen ansehlich parergon zu verwenden, vnd hierdurch derVnerfahrne goltschmid diser seiner allzu frevelich angenommenen Arbeitzu entheben wäre. Hatt mir auch hierzu Vrsach gegeben des Kretzmayersletzte red, als Ich von Stuetgart gescheiden, der gesagt, wan das innereWerckh dem goldschmid zu schwär seyn wolle, so wöll er einen stefftmitten hindurch gehen lassen, darauff alle stuck desto füeglicher könnteneingesetzt werden.

Nu wolan, gedachte Ich, ob Wol ein sollicher stefft nichts zur kunsttaugt, sondern fabricae corporum eleganti zuewider, Jedoch, Weil es Ja seynmuesste, khönte man eben durch diss mittel ein motum darein bringen.Ist derowegen und schlieslich dies mein meinung, Weil das Werckh soll einKunststuck seyen, damit es dafür angesehen werde, nicht allein von Pytha-goraeis, sondern auch von menniglichen, so begehrte Ich nitt nur propor-

Kepleri Opera I. 6