ad Rösliuum.
513
Keppler: Ich hab droben gesagt, das mein letze mainung (wie nemb-licli die Aspect nit für sich selber als vom Iliminel, sondern durch Vermit-telung der Indischen Natur krefftig werden) nicht fundirt sey auff disemein andere letze mainung, dass die Erd mit den Planeten vmbgehe, vnddie Son mit den fixsternen stillstehe: sondern das dises zwo absonderlicheletze mainungen seyen, die mir darumb gefallen, dieweil sie letz seind: dasist, dieweil der vngelehrte Pöfel mit dem rechten Fuess in den linckenstieffel fehrt; vnd derowegen der philosophia, zu deren ich mich bekenne,ambt ist, dise so letz scheinende Sachen zu schlichten, vnd den philosophisdie Küpffe recht einzurichten. Man muss von disen Sachen nit politicereden oder der politicorum Zeugnis einführen. Es bedartf sich in politianit, das man alle philosophischen gehainmussen wisse, die Welt wird denochregiert. Aber die philosophi professione sollen nichts vernichten, wie subtiles auch ist, wann es gleich in politia letz scheinet. Ist das nit ein letzesach, das man den Bawren bereden will, die Sonn sey zweyhundert mallgrösser dann die Erd, vnd ist doch nit vber eins Schuchs brait: vnd dashingegen der gantze Erdenkreiss, den man nit vberseheu kan , kleiner sollsein, dann die Sonne? Ist das nit auch ein letzer handel, dass Leutte seinsollen, die jlire Füsse gegen vns auffwertz kehren? Hat nit derjenige sichletz genug gestelt, der die Sonne zum ersten ersehen wollen, vnd da dieandere gegen Orient gesehen, so hat er sein Gesicht gegen Occident ge-kehret, vnd die andere haben diser letzen veise gespottet vnnd gelachet.Wunderseltzam vnd letz stell ich mich, wann ich ein Sonnenfünsternüssobservire. Hann andere gehen zum Fenster oder vnder freyen Himmel, Ichverkrieche mich vnter einen dicken Mantel, oder in ein finsters Gemach:andere sehen auffwerts, ich vndersich, nit in ein Spiegel oder Kübel mitWasser, sondern auff ein lloltz oder papir. Ist das nit auch ein letzeweise, das D. Iiöslin hie vnteu bekennet, dass er sein zeit nit zugebrachtiu den schulkünsten die andere auch wissen, sondern in dem wass vnrichtigist, vnd jhnen verborgen, daran er doch wol gethan. Iu Summa zeig mirder Herr Doctor ein schönes philosophema auss der Mechanica, Physica,Chymia, ein schöns griflin auss der Mathematica, ein schüns stratagemaauss der politica vnd militari, das 'nit anfangs den Leutten wuncjerlich, dasist letz, fürkommen. • i
Ao%a ist ein schlechte Fraw, derhalben kein grosse vnelir, wan schonetwas ist naQaöot-ov, das ist absurdum vnd letz.
D. Röslin: Keppler, weil er der Alchimia vnerfahren, hat in physicisnichts vollkommen prästirn vnd leisten künden. 27 )
Keppler: Mein Meteorolologia bleibt noch biss dato vnverw'orffen vndvnwiderlegt; sonsten ist es war, das sie kein volkommene physica nit ist,aber doch ein stuck darvon. Solt ich mich aber ex professo nach einervolkommenen physica strecken, bekenn ich gern, das ichs ohne die Alchi-miam nit glücklich wurde anfahen können: müsste nothhalben I.ibavium,Quercetanum, Röslinum vnd andere Chymicos für mich nehmen, vnd michdess spruchs halten: Omnes probate, et qui boni sunt, eos tenete.
D. Röslin: Kepplerum lass ich für einen (insignem) Astronomumbleiben, will mich auch jhme zur straff vnterworffen haben, wann ichs mitvnserm Cometen, das er in orbe Yeneris sey, nit recht getroffen hab.
Keppler: Ich solte dem Herrn Doctori für das lob gedanckt haben,so hat es auch einen fehl: Nemblich das ich kein gut Gesicht habe wie
Kepleri Opora I. 33