Interveniens. 601
gewissen Geometrischen Satz, Regel oder Fürgeben, auff welches Vollziehungeine solche Figur alle Winkel gleich habe, vnd also regularis seye.
Vnd gesetzt, eine solche Figur gewinne jhre gleiche Winckel, also,dass hernach ein Circkel darvmb zu schreiben seye, so ist doch abermalvnmüglich zu determiniren, wie desselben Diameter sich gegen einer Seitenvergleiche, es sey in longo, oder in potentia quadrata, oder in appositionerationali quadrati ad quadratum, figura completa, oder in ablatione gno-monis, quadrato rationali, oder in cubis similiter. Allezeit zwar werd ichgenauwer darzu kommen, aber nimmermehr den Puncten treffen in keinemeinigen modo so wol als in comparatione circuli et diametri.
Darauss dann folget, dass essentia harum figurarum bestehe in einersolchen wunderbarlichen potentia, die nimmermehr ne a perfectissima qui-dem mente in actum mag gebracht werden. Dann ob wol im circulo etwaein Punct durchgangen wirdt, da sich endet ein latus Septanguli, so istdoch nicht möglich denselbigen Puncten zu wissen : Dann solte er gewustwerden, vnd sein determinationem scientificam haben, so würden alle andereFiguren, so man jetzt weiss, als triangulum, quadrangulum, quinquangulum &c.vi contradictionis müssen vmbgestossen vnd vernichtet werden.
Vnd folgt liierauss, weil nie niemandt kein septangulum regulare ge-wust, dass auch nie keins gezogen, gemahlet oder gemacht worden : es seydann einem vngefahr gerahten, welches aber vngewiss, alldieweil man keineRegel hat, ein solches vngefehr zu examiniren, vnd nach der Schärpff zuprobieren.
Darvmb wir auch kein corpus oder ander Ding in der Welt finden,das von Gott nach einem septangulo, nonangulo, undecangulo were gemachtvnd specificirt worden : Vnd dahero kömpt es auch, dass die Natur sichkeiner Proportz erfreuwet, die auss solchen verworffenen Figuren ge-nommen were, es sey jetzo in vocibus, oder in radiis stellarum. Vndhingegen, dass alle Proportiones vocum seu chordarum, die auss den figurisscibilibus genommen seynd, in Musica jhre concordandas geben, vnd dassin radiis planetarum alle proportiones, die da erscheinen bey zusammen-fallung zweyer Liechtstraalen, (so fern sie täglicher Erfahrung vnd Aus-schreibung des Gewitters sich in Antreibung der Natur zu hefl'tiger Wit-terung mercken lassen) solche auch vnter den figuris scibilibus, vnd keineinige sich unter den non scibilibus finden lasset: Vnd also hierauss einwunderbarliches arcanum folget, dass die Natur Gottes Ebenbildt, vnd dieGeometria archetypus pulchritudinis mundi seye, darinnen durch die Er-schaffung so viel ins Werck gestehet worden, so viel in Geometria perfinitatem et aequationes müglich gewest zu wissen, vnd was ausserhalb denSchranken der Endtlichkeit Vergleichung vnd Wissenschafft gefallen, das-selbige auch in der Welt vngeschaffen und vngemacht geblieben seye: Dasist, keine besondere pulchritudinem oder species gegeben, sondern der Ma-terialitet, fortunae et casui, die an jlmen selber vnendtlich seynd, vber-lassen worden, als zum Exempel finden sich rvol einzehle Früchte vndBlumen, die sieben, neun oder eylff Fächer oder Blätter haben, wann diespecies in individuis gemeiniglich variert, aber kein species findet sichnicht, die diese Zahl beständig halte, wie fünff, sechs, vier, drey, zehen,zwölff &c.
Weil dann hiervon biss auff den heutigen Tag gar nichts in partePhysices de Natura, deque Anima auff Vniversiteten gelehret wirdt, so wil