Band 
Volumen primum.
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626
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Tertius

auch der Himmel. Vrsach, weil es nicht mehr der Himmel selbst, sondernsein character ist in dess Menschen Seel vnd Temperament drinnen steckend.Wie droben num. 65. erkläret.

Thesis 103. Vnter einem gewissen Planeten insonderheit geborenseyn, halte ich ein Stück auss den Astrologischen Aberglauben, die mit dendominationibus Planetarum super domos et super genituram vmbgehen vndjhr Spiel damit treiben: Aber dannoch seyndt etliche Nativiteten, die einewolgeschickte läuffige Natur vermachen, ob es drumb nicht eben von dessMercurii wegen ein Kautfmann seyn muss: dann das genus vitae stehtnächst seiner general inclination zu seinem oder der seinigen freyem Willen.

Thesis 104. So ist auch nicht gläublich, dass man auss der Nativi-tet sehen könne, wie es einem allerdings ergehen werde. Dann obwol ge-meiniglich ein jeder seines Glücks eygener Meister ist, so vberhäupt dahinzu schreiben: so seynd doch viel mehr zufällige Vrsachen, dann nur derHimmel, oder nur dess Menschen Gemüht vnd Sitten, deren jede für sichselbst ein Gewirr in dess Menschen zustandt machen vnd denselben ver-kehren kan.

Doch behält allweg der himmlische in die Natur eyngepflantzte charac-ter den Zügel in genere in der Handt, gleich wie Gott in ultimis et in-dividuis eventibus , eorumque mirabili coaptatione, da alles endtlich denWeg hinauss gerahten muss, welchen er für den besten erkennet.

Bleiben also diese dreyerley Vrsachen dess eusserlichen Glücks dessMenschens neben einander, vnd ist nicht noht, dass einer die andere hin-dere, sondern sie vermischen sich vntereinander: Erstlich die natürliche,die seynd universales-, als der Himmel oder vielmehr die Abbildung dessMenschens natürlicher Seelen nach der Constellation, die zur zeit der Ge-burt gewest, vnd das ingenium vnd Temperament, welches sich derselbi-gen abbildung oder characteri nachartet: so wol auch die täglich eynfalleudestarcke oder schlechte aufimunderungen der Natur von dem Himmel, darvongehandelt worden nu. 65—69. Dieses alles seynd Generalvrsachen, welchedess Menschen zustandt ein jede nach jhrer Art vberliaupt formiren vndvon einander vnterscheiden: Welcher Vnterscheidt aber weder Ethicus ist,noch Metaphysicus, sondern allein naturalis, weil et nit handelt von Sündtoder Tugendt, nit von gut oder böss, das ist, von erhaltung oder verder-bung dess Gebornen, sondern allein von Auffmunderung naturae, etiam qua-tenus bruta, von Geschwindt- oder Langsamkeit, von Gallen, Melancholy,pituita, sanguine, vnd was dergleichen, welches alles in sich selbst gut vndein Ordnung Gottes ist.

Die andere vrsach zu dess Menschen Glück, die auch, wie gesagt,neben den jetzterzehlten jhren Platz findet, ist dess Menschens Willkühr,princeps animae facultas, die ist vnd bleibt frey, ob sie wol mit den an-reytzungen jhres Fleisches, mit einer sowol als mit der andern zu kämpftenhat, wegen dess geschehenen Falls schwach ist vnd leichtlich vberwundenwirdt, nicht zwar von dem Himmel, aber doch von seinem Fleisch vndBlut, in welches der himmlische character natürlich eyngedrückt ist, welchercharacter in bruta et irrationali facultate (quae tamen et ipsa instinctamhabet rationem naturalem) weder gut noch böss , aber wegen der OrdnungGottes nur allein gut ist, vnd im Standt der Vuschuldt eben sowol zuvnterschiedliphen Tugenden, als jetzo zu Sündt vnd Lastern gereychethaben würde.