X. §. 109. Bestimmung der mittleren Strahlenbrechung.
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§. 109. Bestimmung der mittleren Strahlenbrechung.
Die Wahrnehmungen, welche ich an den Küsten der Ostsee im All-gemeinen über die Strahlenbrechung zu machen Gelegenheit hatte, führen zudem Ergebnifs, dafs die Strahlenbrechung bei Richtungen, welche über dieSee gehen, in kühlen Sommern sehr klein (iit e Abschnitt) und in warmenSommern sehr grofs ist. Der Grund davon scheint darin zu liegen, dafs imersten Fall rauhe Winde beständig kalte Luft herbeifdhren und dadurch einestarke Wärmeabnahme in den Luftschichten hervorbringen; im zweiten Fallwird durch die allgemeinere Erwärmung der oberen Luftschichten die Wär-meabnahme geringer und daher die Strahlenbrechung gröfser.
Die Beobachtungen auf dem festen Lande haben dagegen kein so be-stimmtes Resultat ergeben, denn selbst in den warmen Sommern von 1845und 1846 wurde der Werth von k oft unter dem Mittel gefunden. DasEinzige was sich hier zu bestätigen scheint ist, dafs die Strahlenbrechung beigleichmäfsiger Witterung nicht so unregelmäfsig erscheint, als bei starkerWitterungsveränderung. Richtungen, welche über Binnengewässer gehen,scheinen nur am frühen Morgen und späten Nachmittag eine auffallend ab-weichende Strahlenbrechung zu haben.
Alle Beobachtungen welche des Morgens früh oder erst gegen Abendangestellt wurden, sind hier ausgeschlossen worden; sie werden später beider speciellen Ermittelung der Strahlenbrechung ihren Platz finden.
Um die angedeuteten Verhältnisse möglichst anschaulich zu machen,sollen die Beobachtungen in drei Gruppen zusammengestellt werden: die ersteenthält die Werthe vou 1t aus Richtungen welche ganz oder zum Theil über'die See gehen; die zweite die übrigen Bestimmungen von 1t in der Dreiecks-kette längs der Küste, aus Richtungen welche über festes Land und Binnen-gewässer gehen, und die dritte die Werthe von k, welche von Bahn land-einwärts bis in die Umgegend von Berlin bestimmt worden sind.
Es sind ferner von den gegenseitig und gleichzeitig, oder auch nurgegenseitig angestellten Beobachtungen, hier nur diejenigen aufgenommenworden, die in mehr als 14000 Toisen Entfernung gemacht wurden. ^
Im Allgemeinen muls noch bemerkt werden, dafs mit sehr wenigenAusnahmen alle Zenithdistancen der Dreieckspunkte nach Heliotropenliclvt ge-messen wurden.