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Die Akustik / Ernst Florens Friedrich Chladni
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Parma, welches wie Fig. 267. eingerichtet ist, und in allen Schriften über SchauspielhausbtMals eine merkwürdige Erscheinung angeführt wird, indem man in demselben überall auf allenSitzen jedes Wort der Schauspieler deutlich hören kann, wovon der Grund unstreitig in nichtsaudern liege, als in dieser Bauart der leeren Seitenwande, durch welche der Schall gegendie Zuhörer gebrochen wird. Nur würde es bequemer seyn, wenn anstatt der in diesem Thea-ter befindlichen Seitensitze, wo die Zuschauer sich ganz seitwärts wenden müssen, um auf dieBühne zu sehen, nach dem Beyspiele des Serlio zu Vicenza gar keine Seitensitze angebracht,sondern alle Sitze von der Bühne an mit der Hintern Rückwand parallel in Kreisbögen undstufenförmig erbaut würden, bey welcher Einrichtung mehr Platz gewonnen würde, und jederZuschauer die Bühne gerade vor sich hätte, und auch, wie §. 21;. bemerkt worden ist, keinder Deutlichkeit schadender Nachhall entstehen könnte. Für ganz große Theater würde eineBauart mir divergirenden Seitenwänden wie bey Fig. 264. der mit parallelen Wänden, wieFig. 267. noch vorzuziehen seyn. Wollte man bey der stufenweiscn Erhöhung der Sitze einigeausgezeichnete Platze, etwa für den Fürsten und dessen Familie, oder sonst für die vorzüglich-sten obrigkeitlichen Personen, anbringen, so würde eine Unterbrechung dieser Sitze durch einigewenige in der Mitte anzubringende Logen der Einrichtung des Ganzen nicht schaden, wie HerrRhode in der angeführten Schrift auch bemerkt, und durch eine Figur erläutert hat, welchehier in Fig. 268. zu sehen ist.

Ein großes Hinderniß der Verbreitung des Schalles bey der gewöhnlichen Emrich-tung der Schaubühnen ist die Richtung der Coulissen, welche so beschaffen ist, daß derSchall von ihnen zar nicht gegen die Zuhörer gebrochen werden kann, sondern vielmehr ganzverschluckt wird, so daß, wenn der Schauspieler etwas von der Oeffmmg der Scene zurückspricht, nichts weiter davon übrig bleibt, außer was vermöge der natürlichen Verbreitungdesselben den Zuhörern entgegen schallt. Herr Rhode äußert, daß man anstatt der Coulissendie bekannten Drehmaschinen der Alten mit Vortheil gebrauchen könne, welche dreyeckigund an den Seiten eben so wie die Coulissen bemahlt, oder mit bemahlter Leinwand bekleidetseyn können, wobey noch mehr Leichtigkeit und Geschwindigkeit der Veränderungen und we-niger Irrung in den Decorationen, als bey der gewöhnlichen Einrichtung Stakt fande. Diesewurden so können gedreht werden, daß sie nach Beschaffenheit der Umstände entweder ganzoder wenigstens nahe an der Qcffnung der Bühne so wie in Fig. 269, eine feste Wand bildeten,wodurch die Verbreitung des Schalles von der Bühne weg gegen die Zuhörer sehr würde